Meine Aussage sollte nur zeigen, dass man früher einfach länger gewartet hat, bevor man sich ein eigenes Pferd zugelegt hat.
Caspar, in vielen der von Dir aufgeführten Punkte bin ich ja bei Dir.
Wer mit mir was an den Pferden machen will, wird sehr klar auf die eine oder andere sicherheitsrelevante Grundregel hingewiesen. Da gehört das Ansprechen der Pferde, wenn man von hinten kommt, ebenso dazu, wie eine vernünftige (Führ-)Stricklänge, Anbinderegeln, Gurt nachziehen bzw. lockern (je nach Situation) und diverse andere Dinge mehr.
In manchen "Lehrinhalten" habe ich andererseits geschlampt. Mein werter Gatte ist damals, als wir uns kennenlernten (1994) über und durch mich zum Reiten gekommen. Bis heute kann er keinen Trensenzaum zusammenbauen. Warum? Weil ich es ihm immer abnehme, ehe es Ewigkeiten dauert. Mein Fehler, aber in eben dieser Situation MUSS er es ja auch nicht können.
Andere der von Dir aufgeführten Punkte wiederum ... tja, wie sag ich das? Ich sehe keinen SINN darin. Ich habe meine Pferde"karriere" "erst" 1974 oder so angefangen. In den ganzen Jahren seither ist mir nicht ein EINZIGES Mal ein Woilach untergekommen (auch wenn ich glaube, irgendwann mal darüber gelesen habe). Dir? Welchen Sinn und Nutzen hat es also HEUTE, ihn perfekt falten zu können?
Oder anders: Welchen Nutzen habe ich HEUTE davon, dass ich wirklich Stufen in einen Misthaufen setzen kann, die aussehen, als wären sie mit der Wasserwaage gezogen worden (und eben NICHT runterbrechen)? HEUTE kann ich den Mist auf unseren Mistplatz karren - egal wie - und lade ihn dann eben einmal im Monat auf. (DAMALS WAR das wichtig: Der Mistplatz war begrenzt und abgefahren wurde der nur einmal jährlich, da biste ohne Stufen aufgeschmissen ...)
Auf dem Pferd rauchen? Jo, mache ich. Schön entspannt am hingegebenen Zügel draußen. Bislang habe ich weder eins meiner Pferde noch die Gemarkung abgefackelt. Gut, ist halt weniger doll, wenn man eigentlich noch 'ne Hand zum Festhalten (idealerweise nicht am Zügel) braucht. Ist bei uns eher selten der Fall. Aber sonst? Blanke Konvention! Oder?
Auf dem Pferd telefonieren? Mache ich manchmal auch. Etwa um dem Gatten mitzuteilen, dass ich doch 'ne Extra-Runde drehe, weils Pferdl so nett drauf ist und er (der Gatte) sich vorerst keine Sorge machen muss, dass ich irgendwo am Baum klebe (für SOLCHE Fälle hab ich das Dingen nämlich eigentlich mit).
Tje, steht nun auf beides oder nur auf eins von den Dingen die Todesstrafe?
Manche Konventionen sind es WERT, auch heute noch gelehrt und durchgesetzt zu werden. Weil sie einen Sinn haben, der in der Gefahrenabwehr oder "schlicht" im Wohl des Pferdes oder auch des Reiters gründet. Andere aber? Nenn mir - gerne in vernünftigem Ton! - einen guten Grund und ich übernehme sie. Und da isses mir auch egal, ob Du in polierten Cavallostiefeln vor mir stehst oder mit Chaps und Westernhut.
Komm mir "von oben runter" und mit dem Unterton "weil ich das weiß, schließlich mache ich das seit 40 Jahren so" ... und ich dreh mich um und rede lieber mit jemand anders.


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