Weideeinsaat speziell für Pferdewiesen?

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  • Waidme
    • 28.03.2002
    • 90

    Weideeinsaat speziell für Pferdewiesen?

    Hallo,

    sind Spezialeinsaaten für Pferdewiesen wirklich besser oder einfach nur teurer?
    Wäre für Tips und Erfahrungsberichte dankbar.

    Danke
    Waidme

  • #2
    Das sind Saatmischungen mit speziellen Gräsern, die einerseits tiefer wurzeln - also besser gegen Tritt und Verbiss, zudem noch eher eiweißarme Gräser und ohne Klee (was in den meisten anderen Mischungen drin ist).
    Bei Mühldorfer (Pferdefutter) gibts so spezielle Mischungen - kosten um die €55/10kg - also eigentlich im normalen Rahmen.

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    • max-und-moritz
      • 04.06.2006
      • 3432

      #3
      ...schau Dir die Zusammensetzung genau an. Oft steht einfach deshalb "Pferdeweide" drauf, weil dann automatisch mehr Geld gezahlt wird. Im VFD-Heft ist ein Bericht drin, daß der angebotene Grassamen meist nicht das hält was er verspricht.

      Kannst Du evtl. mit Heublumen nachsäen? Das mach ich bei Bedarf immer, wenn ein paar Quadratmeter nicht so ausschauen, als würden sie bald wieder grün werden.

      Viele Grüße, max-und-moritz
      Wer neue Wege scheut, muß alte Übel dulden.

      Kommentar


      • #4
        Im guten Samenfachhandel gibt es auch Einzelsaaten. Wenn Du weißt was Du haben willst, kannst Dir deinen Nachsaat-Samen selber zusammenstellen.

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        • Marichen
          • 17.11.2009
          • 476

          #5
          Ich habe meine Weide dieses Jahr mit dem Grassamen von Raiffeisen nachgesät: http://p118779.typo3server.info/uplo...Broschuere.pdf

          Kommentar

          • max-und-moritz
            • 04.06.2006
            • 3432

            #6


            ...zum Teil über 50 % Weidelgras???

            Weidelgras ist speziell für die Rinderfütterung - Das soll ne Pferdeweide werden, haben die schon mal was über Fruktane gehört?

            DAS meinte ich, mit "Pferdeweide steht drauf"!
            Wer neue Wege scheut, muß alte Übel dulden.

            Kommentar

            • basquiat
              • 02.10.2005
              • 2836

              #7
              @max-und-moritz: Und Fruktane entstehen nur in Weidelgras? Da muss ich etwas verpasst haben... Bitte um detailierte Aufklärung!

              LG Liesl
              Gestüt Pferdeschule Riegersburg

              Kommentar

              • Ramzes
                • 15.03.2006
                • 14639

                #8

                Es sind nicht unbedingt Gräser , die tiefer wurzeln , sondern Grasarten /-sorten , die ein hohes Bestockungsvermögen haben , Trittunempfindlicher sind , Verbissunempfindlicher , durch tieferen Bestockungsknoten , Stolone , Kriechtriebe , Rhizome .
                In normalen Pferdeweiden werden entweder frühe / mittlere Dt. Weidelgras-Sorten , meist diploide Sorten
                (2n , zwei Chromosomensätze ) eingesetzt .
                In den Mischungen mit anderen Gräsern sind die Anteile an den gewünschten Standort( Klima , Niederschlag,Winterfestigkeit ) angepasst : z.B. Marsch, Anmoorig , Trocken , rauhe Lagen Nord/Süd .
                In den speziellen Fruktanerniedrigten Mischungen erhöht sich Anteil Lieschgras , Wiesenschwingel ,Wiesenrispe , Rotschwingel .
                Grundsätzlich bei allen Graminaen ist der Fruktangehalt im Stengel höher als im Blatt .
                Die chem. Struktur ist abh, von der Pfl-art ,Knaulgras- und Lieschgras haben höhermolekulare Fruktane , Weidelgras niedermolekulare Oligo-Fruktane .
                Fruktane gibt es auch in Getreidekörner g/kg TS : Roggen ~ 30 , Weizen 15 , Mais 6 , Gerste 4 , Hafer 3 .
                In der Regel steigt der Fruktangehalt zum Mittag / frühen Nachmittag und sinkt zum Abend .
                Art-Sorte / Temperaturen / Temperatursummen / Einstrahlung -Assimilationsrate haben großen Einfluß auf Fruktanbildung .
                Bei niedrigeren Temp.( 5-10 ° C) haben alle Gräser hohen Fruktangehalt , Weidelgras / Wiesenschwingel etwa das doppelte von Knaul-/ Lieschgras (~ 200 versus 100 )
                Vielen ist der signifikante Zusammenhang von Düngung , spez. N und Fruktanbildung nicht so bewußt .
                N-Unterversorgung erhöht i.d.R. den Fruktangehalt . Intensivere Nutzung ( Schnitt , Verbiss ) reduziert i.a. Fruktanbildung .Auch das Verhältnis N/ K hat Einfluß .

                Ich werde mal das neue von BayWa " Mantelsaat " auf einer Fläche ausprobieren mit Durchsaat-Köckerling ( LU) http://www.baywa.de/netautor/napro4/...&xmlval_ID_DOC[0]=1001611

                Wer will , kann sich Saatgut nach entsprechendem Rezept zusammenstellen oder fertig kaufen .


                Im übrigen , wenn man sich schon die Arbeit mit Nachssat macht , bitte mit Qual.Saatgut ,...die Unwägbarkeiten Trockenheit etc. bleiben zusätzlich , wenn man Pech hat .
                Zuletzt geändert von Ramzes; 13.05.2011, 08:55.

                Kommentar


                • #9
                  Zitat: "In der Regel steigt der Fruktangehalt zum Mittag / frühen Nachmittag und sinkt zum Abend ."

                  wie was - eigentlich ist das absurd! Pflanzen bilden Fruktane wenn sie nicht genügend Energie zur Verfügung haben und dann die Vorprodukte von Stärke als Fruktane speichern bis wieder genügend Energie für den "Endausbau" Stärke i.S. von Zellulose zur Verfügung steht.
                  Das ist an sich in kalten frühen Morgenstunden. Wieso soll da jetzt die Fruktanbildung gegen Mittag am größten sein?????

                  Kommentar

                  • Ramzes
                    • 15.03.2006
                    • 14639

                    #10


                    Das was Du beschreibst ist in der Entwicklungsphase der Gräser ein besondere Situation des Assimilat-Stoffwechsels bei Nachtfrost mit dazu im Gegensatz höheren Tagestemperaturen und intensiver Sonneneinstrahlung , wie es im April/Mai und im Herbst öfters vorkommen kann .
                    Sozusagen die Ausnahme von der Regel ! s.Dein Zitat : In der Regel...

                    Generell : Die meisten Pflanzen lagern Stärke als Reservekohlenstoff ein . 10 Pfl.-Familien lagern Fruktane als Hauptreservestoff ein , darunter die Graminaeen - Süßgräser .
                    Bei diesen gibt es aber auch Unterschiede : Die Gräser des gemäßigten Nordens - Fruktan , Süd-Gräser eher Stärke , intermediär Stärke/Fruktan .
                    Fruktane sind also für die Süßgräser der zentrale Stoffwechsel-Baustein nach der durch Photosynthese entstandenen Zucker .

                    Interessant wäre ein kostenpflichtiges App für interessierte Pferdehalter mit einem aufgrund von Datenverarbeitung ( Standort , metereologische Daten , Pflanzenbestand , Photosyntheseleistung/Assimilationsrate , N-Status Boden etc. ) simuliertes Prognoseverfahren :könnte heißen Lami-Prog , Frukti-Prog ...ähnlich Prognosemodelle Landwirtschaft (div. Pfl.Krankheiten Septoria , Phytophthora , Schädlingsbefall , optimaler Behandlungstermin )
                    Zuletzt geändert von Ramzes; 13.05.2011, 08:53.

                    Kommentar


                    • #11
                      Deshalb heißen die "Süßgräser" vermutlich auch so, weil sie durch diese gespeicherte Zuckerart süßlicher schmecken als herkömmliche Gräser, die ja meistens Bitterstoffe drin haben (die allerdings sehr gesund sind).

                      Somit wäre der Fall, dass man Rehe gefährdete Pferde im Sommer nur in der Früh oder gegen Sonnenuntergang auf die Weide lassen sollte.

                      Hafer ist übrigens auch ein Süßgras (Poaceae).
                      Zuletzt geändert von Gast; 13.05.2011, 09:04.

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                      • Ramzes
                        • 15.03.2006
                        • 14639

                        #12
                        Die wichtigsten Ernährungspflanzen dieser Welt sind Süßgräser !!!
                        GETREIDE
                        Weizen , Reis , Mais ,Hirse , Gerste , Hafer , Roggen
                        ( mengenmäßig nach FAOstat 2008)

                        Zuckerrohr , Chinaschilf ( Miscanthus NaWaRo)
                        Zuletzt geändert von Ramzes; 13.05.2011, 10:26.

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                        • max-und-moritz
                          • 04.06.2006
                          • 3432

                          #13
                          Zitat von basquiat Beitrag anzeigen
                          @max-und-moritz: Und Fruktane entstehen nur in Weidelgras? Da muss ich etwas verpasst haben... Bitte um detailierte Aufklärung! LG Liesl
                          ...ne, natürlich nicht nur im Weidelgras, dort aber mehr wie in anderen Gräsern.

                          Ich bin ja kein Biologe oder etwas in der Art, aber ich kann mir vorstellen, daß, wenn man über 50 % von dem eher mehr fruktanhaltigen Zeug auf der Wiese hat, es nicht so toll ist.

                          Viele Grüße, max-und-moritz
                          Wer neue Wege scheut, muß alte Übel dulden.

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                          • Ramzes
                            • 15.03.2006
                            • 14639

                            #14
                            Noch mal zum Mitlesen , Fruktane haben alle Süßgräser , Weidelgräser haben höheren Anteil , für Rehegefährdete - Mischung : Lieschgras 30 % , Wiesenschwingel 25 % , Wiesenrispe 15 % , Rotschwingel 15 % ,
                            Dt.Weidelgras früh - diploid oder Rasentyp früh 5 % ,Wiesenfuchsschwanz 5 % , Rohrschwingel 5 % .

                            SuznQ , die sekundären Pflanzeninhalsstoffe in Gräsern , vornehmlich Wild-Sorten , wenig züchterisch bearbeitet , z.B. Bitterstoffe dienen in erster Linie der Fraßabwehr und so wirken sie auch : sie werden höchst ungern gefressen und das hat seinen Grund !!!
                            Terpene , Glykoside (z.B. cyanogene Gl. - Hirsen ) Cumarin - Ruchgras , Glanzgras - DMT (psychoaktiv )
                            Goldhafer ( Trisetum -hoher Vit.D3 Gehalte - Kalzinose )

                            Im Laufe der züchterischen Bearbeitung hat es also gute Gründe für die eine odere andere Selektion gegen diese Pflanzeninhaltstoffe gegeben .
                            Zuletzt geändert von Ramzes; 13.05.2011, 10:46.

                            Kommentar

                            • Laoni
                              • 31.07.2009
                              • 136

                              #15
                              ich hab für zum nachsähn immer selbst gemischt. Knaulgras ist sehr gut um fruktanarme wiesen für pferde zu bekommen. wichtig es sollte kein Klee da sein, dann evtl. beraten lassen wie pflegen vorab, dass klee nicht ansaat kaputt "drückt".
                              es hängt aber auch davon ab, wie und wo die wiese ist, also schatten, waldrand, hang, feuchtgebiet, steinboden etc. evtl. auch vorab bodenprobe nehmen.
                              ich hab immer bei http://www.revierberatung.de/ bestellt, inzw. etwas teurer geworden, aber Qualität war sehr gut, ich hatte letztes jahr mehr Heu ungedüngt wie mein Nachbar gedüngt und die Wiesen sind direkt nebeneinander, denke das sagt alles. Ich weiß nicht mehr was ich alles gesäht hab, aber müssten diese gräser gewesen sein Knaulgras, Rotes Straussgras, Wiesenlieschgras, Wiesenschwingel, Wiesenrispe, Rotschwingel, Rohrschwingel und dazu ein spezialpaket mit kräutern für pferdeweide. mein heu ist natürlich der renner, schön langstänglig aber heiß begehrt.

                              Kommentar

                              • Ramzes
                                • 15.03.2006
                                • 14639

                                #16


                                Hier ist eine gute Zusammenstellung der verschiedenen Eigenschaften , Standortansprüche , Futterwert .

                                Wer es ganz genau wissen will , riskiert einen Blick in die " Beschreibende Sortenliste - hier spez. für Futtergräser , Esparsette ,Klee ,Luzerne "
                                Zusätzliche Eigenschaften wie Trockenheit , Auswinterungsgefährdung ( Weidelgras ) , Rostanfälligkeit , Reifezeitpunkt , Elastizität - Bestand etc. kann man aus den Sortenlisten ablesen .



                                z.B. Knaulgras S. 19
                                Zuletzt geändert von Ramzes; 13.05.2011, 11:59.

                                Kommentar

                                • Waidme
                                  • 28.03.2002
                                  • 90

                                  #17
                                  Danke für die vielen Antworten! Eine Frage noch an die Experten: Welche Grassorten sind bei sehr sandigem Boden (Senne) zu empfehlen.

                                  Waidme

                                  Kommentar


                                  • #18
                                    Ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich diese Pferdeweide-Mischungen zusammengestellt sind.
                                    Könnte mir aber vorstellen, dass speziell für kleine Flächen mit vielen Pferden die Hochleistungsgräser mehr Sinn machen, um überhaupt etwas Grün dort stehen zu haben. Auf größeren Flächen kann man sich dann eher dem Artenreichtum widmen, ohne dass das sofort zertrampelt und kahlgefressen wird.
                                    Oder was sagen Praktiker?

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                                    • zhanna
                                      • 08.08.2008
                                      • 2807

                                      #19
                                      Wir als Praktiker, so bezeichne ich uns jetzt einfach mal, haben letztes Jahr 3,5 ha mit Pferdeweidesaat ( Apples Pferdeweide ohne Kräuter )neu gemacht. Wir haben Ende April neu einsähen lassen. Auffallend war auf jeden Fall das deutlich langsamere Wachstum des Grases. Wir haben aber letztes Jahr auch nicht gedüngt, aber einmal gemäht. Die Pferde kamen jetzt im Juni erst auf dieses Stück. Nach Bodenprobe und Düngen. Zuerst gingen alle auf wie Hefeklöße. Sie waren aber vorher auch mehr auf einem Beschäftigungsknabberstück, welches noch die klassische Kuhgraswiese ist. Das Bauchwachstum relativierte sich relativ schnell. Wir hatten 4 Pferde jetzt auf der Hälfte der Fläche und das Gras war richtig hoch. Wenn die Pferde lagen sah man höchstens die Ohren.
                                      Die Pferde sind alle gut genährt aber in keinem Fall fett. Durchfall und Kotwasser waren kein Thema nach Weideauftrieb. Bin keine Fachfrau, habe aber den Eindruck, dass sie das wirklich gut vertragen und finde das Gras auch strukturreicher. Das kann aber auch Einbildung sein.
                                      Die Pferde fressen es leider nicht ganz so gerne wie ihre, ich nenne sie jetzt mal Süßigkeitenwiese. Sie wechseln immer wieder zwischen alt und neu. Trotzdem sind wir superzufrieden und würden es immer wieder machen.

                                      Kommentar

                                      • Ramzes
                                        • 15.03.2006
                                        • 14639

                                        #20

                                        Enzootische Kalzinose verursacht durch Goldhafer
                                        - Div. Bergwiesen - Förderprogramme in den Mittelgebirgslagen ,
                                        Schwäb. Alb , Harz , Erzgebirge etc,

                                        Aktuell eine Veröffentlichung in der Zeitschrift
                                        Tierärztliche Praxis 5 / 2015 , S. 296 - 304 über Heu aus
                                        Extensiv - FFH - Grünland mit ( zuviel ) Goldhafer
                                        ( aktuell Fälle in Thüringen ).
                                        Die wichtigste Ausprägung im Osterzgebirge ist die Storchschnabel-Goldhafer-Wiese mit der Bärwurz als Leitart und vielen floristischen und faunistischen Besonderheiten


                                        PS : nur allg. Info ohne Bezug zum vorhergehendem Beitrag # 19


                                        Betrifft nicht nur Pferde , auch Rinder , vereinzelt kleine Wiederkäuer .


                                        Leider in den FFH - Richtlinien / BfN etc.kein Hinweis auf die
                                        Gefahren durch Intoxikation und Ratschläge zur Vermeidung .
                                        Zuletzt geändert von Ramzes; 05.11.2015, 13:09.

                                        Kommentar

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                                        Erstellt von Rigoletto, 20.03.2025, 16:27
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                                        Erstellt von Rigoletto, 15.03.2025, 00:13
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