Zettie
26.08.2002, 21:46
Ich möchte euch gerne eine Geschichte über meine letzte "Reitbeteiligung" erzählen, die Erfahrungen, Ärgernis und Trauer mit sich brachte!
DIE VORGESCHICHTE
Durch sehr viel Glück bin ich vom Schulpferdereiten zu einer super Reitbeteiligung gekommen. Der gute alte ging in seinen jungen Jahren Grand Prix und ich erlebte ein unwahrscheinliches Lehrjahr auf ihm. Im Alter von 12 bis 13 lernte ich vielleicht Dinge, über die ich heute ganz erstaunt bin. Sei es eine doppelte Galopppiourette oder das Durchreiten einer Grand Prix Aufgabe: all das war mir gelehrt. Und das umsonst! Und genau da lag und liegt mein Problem: Ich habe und hatte kein Geld für eine Reitbeteiligung. Der Alte kam irgendwann auf die Weide und ein ganzes Jahr lang etliches rumprobieren und immer wieder absagen wegen Geldprobleme lagen vor mir. Auf unserem Stall gab und ich nehme an gibt es genügend eingebildete Pferdebesitzer die "die Mädchen mit dem fehlenden Kapital für ein eigenes Pferd" für etwas Schlechteres halten und gerne über sie spotten und von ihnen ihre Pferde putzen, satteln und misten lassen. Aus meinem Bedürfnis nach dem Umgang mit Pferden habe ich das auch getan: zwar konnte man dafür nicht reiten, aber man dürfte mit diesen wunderbaren Lebewesen zu tun haben. Schlechte Arbeit hat man geleistet, zuviele Boxen gemistet und den Dreck hinterhergereumt, heute würde ich das vielleicht nicht mehr tun. Auf jeden Fall wurde auch von mir nicht sonderlich viel gehalten. Was soll eine 14jährige (ja, inzwischen war ich 14) die sich für nicht's zu schade ist schon können?
ENDLICH EIN NEUES PFERD IN SICHT!
Doch eines Tages, immer noch war ich 14, und dass bleibe ich auch die ganze Zeit der Geschichte, sollte es wieder ein Pferd für mich geben. Eine neue Frau war auf dem Hof, die ab und an mal nicht soviel Zeit hatte und gerne jemanden auf ihrem Pferd reiten ließ! Also erschien ich zeitgleich mit ihr auf dem Hof, um mir das Tier mal anzugucken. Und ich bekam einen gehörigen Schreck! Vom Weiten sah ich nur ein hin- und hertänzelndes Tier am Anbinder, dass den Anschein erweckte jederzeit zu explodieren! Als ich jemanden vom Hof fragte wer dieses Pferd sei, erfuhr ich, dass dies mein Probepferd sein sollte. Ein englischer Vollbluthengst. Ich habe mich der Sache gestellt. Und nach einem erfolgreichen Proberitt durfte ich die Reitbeteiligung werden. Im laufe der Zeit erfuhr ich, dass die Besitzerin schonmal ein Pferd vor Jahren auf diesem Hof hatte, und irgendwann keine Lust mehr hatte, dass Pferd im Dreck stand, krank wurde und beim Schlachter landete. Außerdem erfuhr ich, dass sie diesen Hengst von ihrem reichen Freund geschenkt bekommen hat. Es dauerte nicht lange, und die Frau erschien immer seltener auf dem Hof. Ich bekam zu hören, dass der Hengst im Dreck stand und halb ausflippte in seiner Box, also machte ich es mir zur Aufgabe ihn wie ein eigenes Pferd täglich zu umsorgen. Der Käufer und Freund rief mich nach einigen Tagen an, dass die beiden sich getrennt hätten und er nun den Hengst am Halse hat. Er bat mich drum, dass ich mich um ihn kümmere und ihn vielleicht etwas "bereite", damit er ihn bald verkaufen kann in gut gerittenem Zustand.
IM UMGANG SCHRECKLICH
Ich hatte vorher schonmal einen Hengst in Pflege, aber sowas hatte ich noch nicht erlebt! Der Hengst war total durchgedreht, am Halfter führen war viel zu gefährlich, schnell wurden Steigeisen und/oder Führkette meine Werkzeuge um das Pferd halten zu können. Wenn er drängelte reagierte er überhaupt nicht auf einen Klapps oder einen Ruck, er war total abgestumpft und interessierte sich nichtmal für Menschen. Sein einziges Interesse: andere Pferde! Jedesmal war mir unheimlich wenn er auf dem Paddock stand, dass er rübersprang, wenn ich ihn führte dass er sich losreißt! Mit halfter und Strick hatte man keine Chance! Und die reichen Pferdebesitzer konnten nicht's anderes tun als den Kopf schütteln wenn ich mit dem Hengst vorbeiging! Was konnte ich dafür? Ich ließ im Gegensatz zu ihnen nicht ein Pferd im Dreck stehen und unbewegt!
REITEN
Am Anfang war der Hengst steif im Genick und abgelenkt, aber schon nach dreimal reiten war er super durchlässig und sehr schön zureiten! Ich konnte mit ihm A Aufgaben reiten und führte ihn an Seitengänge im Trab ran. Er war total gelehrig und konzentriert unter dem Sattel. Außerdem hatte er mir das Springen beigebracht, denn bis zu seinem 7. Lebensjahr ging er Hindernissrennen und sprang routiniert und sicher, und sehr lieb! Er hat mir total die Angst vor Höhen bis 1,10m genommen und ab und zu sind wir mal aus Spaß Parcours gesprungen.
DER ZWISCHENFALL
Einen Tag hatte ich wirklich keine Zeit und bat eine Freundin von mir den Hengst auf die Weide zustellen. Diese Aufgabe hat sie aber an ein anderes Mädchen mit wenig Erfahrung weitergegeben, und da musste ja was passieren!
Am Halfter und Strick hat sich den Hengst von der Weide geholt, neben seiner Box stand ein Pony Wallach angebunden und als der Hengst den Wallach entdeckte soll er sich aufgebäumt haben und dann schnurrstracks auf den Wallach zu, dass Mädchen hing noch am Strick. Den Wallach hat er regelrecht missbraucht und alles ziehen am Strick, boxen und hauen war vergeblich. Und die anderen standen drum rum und beschuldigten das Mädchen wie unfähig sie sei und das so ein Tier nicht in unsere Hände gehört! Toll, anstatt, dass sie mal als die achso erfahrenen Pferdeleute eingreifen und Hilfe leisten! Und anstatt sich immer über das Verhalten des Hengstes zu beschweren uns vielleicht mal Tipps geben wie wir besser mit ihm umgehen können? Nein, immer heißt es nur wir Mädchen sind doch Anfänger und wir gefährden nur den Hof! Toll, sollen wir das Tier vor sich hinrecken lassen? Von denen hätte sich keiner die Finger schmutzig gemacht!
ANFREUNDEN
Den Hengst habe ich nicht gehasst, ich habe mich weiter danach um ihn gekümmert und probier eine Vertrauensbasis zu ihm zu bekommen. Er war kopfscheu und mit viel Zeit und Streicheleinheiten habe ich probiert dass er Vertrauen zu mir gewinnt. Ich habe ihn vorläufig aufgehört zu reiten und viele Stunden auf dem Reitplatz an der Hand mit ihm gearbeitet. Das Verhältnis besserte sich, ich habe ihn zur Sicherheit zwar immer mit Kette geführt, aber ich hatte irgendwann keine Angst, dass er mich hinterherschleift. Er war zwar sehr leicht ablenkbar von anderen Pferden, aber ich nahm das in kauf und probierte ihn zu beschäftigen. Der Besitzer rief mich an und teilte mir mit, dass er keine Lust mehr auf die Kosten des Unterhalts hatte und wenn er den Hengst nicht verkaufen kann, der Hengst geschlachtet wird. Ich war mir sicher, wenn man den Hengst kastriert hätte, hätte man ein zuverlässiges und mutiges Freizeitpferd gehabt, evtl. sogar leichte Springen reiten können. Doch auf das Kastrationsgeld hatte der Besitzer keine Lust. Betteln bei meinen Eltern half nichts, den Hengst zu kaufen, ich hätte gerne ein gutes Reitpferd aus ihm als Wallach gemacht!!!
Jedenfalls bin ich eine Woche im Urlaub gewesen und gleich am ersten Tag wieder zum Hof. Der Hengst war weg, ich hab erfahren, dass er wohl vier Tage ungemistet im Stall stand und der Besitzer ihn dann geholt hat! Ich weiß nicht was passiert ist, aber ich vermute er wird zum Abdecker gekommen sein ....
http://www.horse-gate.com/ib3.7/non-cgi/emoticons/confused.gif
Tut mir leid, dass es so ein langer Text geworden ist, aber ich wollte euch das einfach erzählen.
Was hättet ihr an meiner Stelle gemacht?
Kennt ihr arrogante Pferdebesitzer, die Reitbeteiligungen (gerade wenn sie unter 16 sind) nicht für voll nehmen?
Und danke nochmal, fürs Lesen, und danke, falls ihr etwas dazu schreiben solltet!
Eure
Zettie
DIE VORGESCHICHTE
Durch sehr viel Glück bin ich vom Schulpferdereiten zu einer super Reitbeteiligung gekommen. Der gute alte ging in seinen jungen Jahren Grand Prix und ich erlebte ein unwahrscheinliches Lehrjahr auf ihm. Im Alter von 12 bis 13 lernte ich vielleicht Dinge, über die ich heute ganz erstaunt bin. Sei es eine doppelte Galopppiourette oder das Durchreiten einer Grand Prix Aufgabe: all das war mir gelehrt. Und das umsonst! Und genau da lag und liegt mein Problem: Ich habe und hatte kein Geld für eine Reitbeteiligung. Der Alte kam irgendwann auf die Weide und ein ganzes Jahr lang etliches rumprobieren und immer wieder absagen wegen Geldprobleme lagen vor mir. Auf unserem Stall gab und ich nehme an gibt es genügend eingebildete Pferdebesitzer die "die Mädchen mit dem fehlenden Kapital für ein eigenes Pferd" für etwas Schlechteres halten und gerne über sie spotten und von ihnen ihre Pferde putzen, satteln und misten lassen. Aus meinem Bedürfnis nach dem Umgang mit Pferden habe ich das auch getan: zwar konnte man dafür nicht reiten, aber man dürfte mit diesen wunderbaren Lebewesen zu tun haben. Schlechte Arbeit hat man geleistet, zuviele Boxen gemistet und den Dreck hinterhergereumt, heute würde ich das vielleicht nicht mehr tun. Auf jeden Fall wurde auch von mir nicht sonderlich viel gehalten. Was soll eine 14jährige (ja, inzwischen war ich 14) die sich für nicht's zu schade ist schon können?
ENDLICH EIN NEUES PFERD IN SICHT!
Doch eines Tages, immer noch war ich 14, und dass bleibe ich auch die ganze Zeit der Geschichte, sollte es wieder ein Pferd für mich geben. Eine neue Frau war auf dem Hof, die ab und an mal nicht soviel Zeit hatte und gerne jemanden auf ihrem Pferd reiten ließ! Also erschien ich zeitgleich mit ihr auf dem Hof, um mir das Tier mal anzugucken. Und ich bekam einen gehörigen Schreck! Vom Weiten sah ich nur ein hin- und hertänzelndes Tier am Anbinder, dass den Anschein erweckte jederzeit zu explodieren! Als ich jemanden vom Hof fragte wer dieses Pferd sei, erfuhr ich, dass dies mein Probepferd sein sollte. Ein englischer Vollbluthengst. Ich habe mich der Sache gestellt. Und nach einem erfolgreichen Proberitt durfte ich die Reitbeteiligung werden. Im laufe der Zeit erfuhr ich, dass die Besitzerin schonmal ein Pferd vor Jahren auf diesem Hof hatte, und irgendwann keine Lust mehr hatte, dass Pferd im Dreck stand, krank wurde und beim Schlachter landete. Außerdem erfuhr ich, dass sie diesen Hengst von ihrem reichen Freund geschenkt bekommen hat. Es dauerte nicht lange, und die Frau erschien immer seltener auf dem Hof. Ich bekam zu hören, dass der Hengst im Dreck stand und halb ausflippte in seiner Box, also machte ich es mir zur Aufgabe ihn wie ein eigenes Pferd täglich zu umsorgen. Der Käufer und Freund rief mich nach einigen Tagen an, dass die beiden sich getrennt hätten und er nun den Hengst am Halse hat. Er bat mich drum, dass ich mich um ihn kümmere und ihn vielleicht etwas "bereite", damit er ihn bald verkaufen kann in gut gerittenem Zustand.
IM UMGANG SCHRECKLICH
Ich hatte vorher schonmal einen Hengst in Pflege, aber sowas hatte ich noch nicht erlebt! Der Hengst war total durchgedreht, am Halfter führen war viel zu gefährlich, schnell wurden Steigeisen und/oder Führkette meine Werkzeuge um das Pferd halten zu können. Wenn er drängelte reagierte er überhaupt nicht auf einen Klapps oder einen Ruck, er war total abgestumpft und interessierte sich nichtmal für Menschen. Sein einziges Interesse: andere Pferde! Jedesmal war mir unheimlich wenn er auf dem Paddock stand, dass er rübersprang, wenn ich ihn führte dass er sich losreißt! Mit halfter und Strick hatte man keine Chance! Und die reichen Pferdebesitzer konnten nicht's anderes tun als den Kopf schütteln wenn ich mit dem Hengst vorbeiging! Was konnte ich dafür? Ich ließ im Gegensatz zu ihnen nicht ein Pferd im Dreck stehen und unbewegt!
REITEN
Am Anfang war der Hengst steif im Genick und abgelenkt, aber schon nach dreimal reiten war er super durchlässig und sehr schön zureiten! Ich konnte mit ihm A Aufgaben reiten und führte ihn an Seitengänge im Trab ran. Er war total gelehrig und konzentriert unter dem Sattel. Außerdem hatte er mir das Springen beigebracht, denn bis zu seinem 7. Lebensjahr ging er Hindernissrennen und sprang routiniert und sicher, und sehr lieb! Er hat mir total die Angst vor Höhen bis 1,10m genommen und ab und zu sind wir mal aus Spaß Parcours gesprungen.
DER ZWISCHENFALL
Einen Tag hatte ich wirklich keine Zeit und bat eine Freundin von mir den Hengst auf die Weide zustellen. Diese Aufgabe hat sie aber an ein anderes Mädchen mit wenig Erfahrung weitergegeben, und da musste ja was passieren!
Am Halfter und Strick hat sich den Hengst von der Weide geholt, neben seiner Box stand ein Pony Wallach angebunden und als der Hengst den Wallach entdeckte soll er sich aufgebäumt haben und dann schnurrstracks auf den Wallach zu, dass Mädchen hing noch am Strick. Den Wallach hat er regelrecht missbraucht und alles ziehen am Strick, boxen und hauen war vergeblich. Und die anderen standen drum rum und beschuldigten das Mädchen wie unfähig sie sei und das so ein Tier nicht in unsere Hände gehört! Toll, anstatt, dass sie mal als die achso erfahrenen Pferdeleute eingreifen und Hilfe leisten! Und anstatt sich immer über das Verhalten des Hengstes zu beschweren uns vielleicht mal Tipps geben wie wir besser mit ihm umgehen können? Nein, immer heißt es nur wir Mädchen sind doch Anfänger und wir gefährden nur den Hof! Toll, sollen wir das Tier vor sich hinrecken lassen? Von denen hätte sich keiner die Finger schmutzig gemacht!
ANFREUNDEN
Den Hengst habe ich nicht gehasst, ich habe mich weiter danach um ihn gekümmert und probier eine Vertrauensbasis zu ihm zu bekommen. Er war kopfscheu und mit viel Zeit und Streicheleinheiten habe ich probiert dass er Vertrauen zu mir gewinnt. Ich habe ihn vorläufig aufgehört zu reiten und viele Stunden auf dem Reitplatz an der Hand mit ihm gearbeitet. Das Verhältnis besserte sich, ich habe ihn zur Sicherheit zwar immer mit Kette geführt, aber ich hatte irgendwann keine Angst, dass er mich hinterherschleift. Er war zwar sehr leicht ablenkbar von anderen Pferden, aber ich nahm das in kauf und probierte ihn zu beschäftigen. Der Besitzer rief mich an und teilte mir mit, dass er keine Lust mehr auf die Kosten des Unterhalts hatte und wenn er den Hengst nicht verkaufen kann, der Hengst geschlachtet wird. Ich war mir sicher, wenn man den Hengst kastriert hätte, hätte man ein zuverlässiges und mutiges Freizeitpferd gehabt, evtl. sogar leichte Springen reiten können. Doch auf das Kastrationsgeld hatte der Besitzer keine Lust. Betteln bei meinen Eltern half nichts, den Hengst zu kaufen, ich hätte gerne ein gutes Reitpferd aus ihm als Wallach gemacht!!!
Jedenfalls bin ich eine Woche im Urlaub gewesen und gleich am ersten Tag wieder zum Hof. Der Hengst war weg, ich hab erfahren, dass er wohl vier Tage ungemistet im Stall stand und der Besitzer ihn dann geholt hat! Ich weiß nicht was passiert ist, aber ich vermute er wird zum Abdecker gekommen sein ....
http://www.horse-gate.com/ib3.7/non-cgi/emoticons/confused.gif
Tut mir leid, dass es so ein langer Text geworden ist, aber ich wollte euch das einfach erzählen.
Was hättet ihr an meiner Stelle gemacht?
Kennt ihr arrogante Pferdebesitzer, die Reitbeteiligungen (gerade wenn sie unter 16 sind) nicht für voll nehmen?
Und danke nochmal, fürs Lesen, und danke, falls ihr etwas dazu schreiben solltet!
Eure
Zettie