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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Stuten mit Mängeln in die Zucht?



03.11.2003, 12:04
Für die Hengste gibt es ja ein strenges Reglement für die Zuchtzulassung. Das finde ich auch sehr vernünftig, um langfristig die Zucht zu verbessern.

Bei den Stuten sieht das anders aus. Warum dürfen Stuten mit groben Exterieur-Mängeln in die Zucht genommen werden? Sollte es nicht auch für Stuten Mindestanforderungen geben, die evtl. durch Musterungen überprüft werden sollten?

Mangelhafte Stuten sollten genauso von der Zucht ausgeschlossen werden, wie man das ja bei den Hengsten praktiziert.

Wie ist eure Meinung dazu?

duntroon
03.11.2003, 12:20
gutes thema, meiner meinung nach sollten stuten, die vererbbare mängel (wie zb fehlstellungen) nicht zur zucht zugelassen werden - stuten mit exterieur fehlern, die bedingt durch den hengst ausgeglichen werden "könnten" sollten man allerdings auch im auge behalten und ggf wieder aus der zucht nehmen wenn die ergebnisse nicht dem entsprechen was gefordert ist.

im grunde sollte es aber doch am züchter sein dass stuten die eindeutig nichts für die zucht sind, diese auch selektiert werden und nicht auf biegen und brechen in der zucht verwendet werden.

03.11.2003, 12:38
Unbedingt !!

Auch für Zuchtstuten sollte die Auswahl kritischer sein.
Nicht nur exterieurbedingt. Exterieur und GGA wird ja bei der Eintragung benotet und auch (wenn ablegt) über die ZStPr..
Das kann ja auch noch selber bei Besichtigung nachvollziehen.

Viel wichtiger finde ich das Interieur. Viele Zuchtstuten kommen aus "wuschigen" Linien, sind meist selbst nicht ganz klar im Kopf und geben das evtl. auch an die Nachzucht weiter. Wenn man als Züchter diese Nachzucht gleich als Fohlen verkauft - Glück gehabt. Aber ist dies die richtige Einstellung. Beim Anreiten oder auch im weiteren Sport tauchen dann die Probleme auf. Als Käufer von Fohlen kann man sich nur auf die Eintragungsnoten und ZStLp berufen und auf die (un)glaubwürdigen Aussagen des Züchters
ZStLP hängt jedoch auch oft von der Tagesform ab.

Bei den Hengsten ist es etwas einfach. Sie stehen einfach mehr im Rampenlicht. Gutes und Schlechtes spricht sich schnell rum (siehe Forum). Man kann sich leichter einen Eindruck verschaffen. Weiter kann man sich die Fohlenjahrgänge ansehen, im Vergleich zueinander.

Bei Stuten ist das schwieriger. Nachzucht ist oft verkauft.
Mit viel Glück bekommt man Kontakt zu den neuen Besitzern,
die dann die gewünschte Auskunft geben (können) oder auch nicht ?.
Die Züchter kommen mit den "Eigenschaften" der Mutterstute selten raus. Und über Rittigkeit und Umgang (der Weg zur Weide vielleicht) können sie keine Aussage machen.

Ich bin der Meinung auch die Stuten müßten deutlicher "beobachtet" werden.
Als Insider kennt man sich vieleicht mit den Mutterstämmen und ihren Eigenheiten aus. Aber als Reiter und "Junggemüse-Käufer" wird es schwierig. Woher die Infos nehmen ?

Nur wie will man die Zuchtstutenauswahl eingrenzen ?
Wer will wem verbieten, mit seiner Stute zu züchten?
Ich denke hier muß unbedingt das theoretische Grundwissen aufgefrischt werden und an das Gewissen appelliert werden. Die Alt-Züchter haben oft eine merkwürdige Vorstellung von Hengstauswahl. Oft wählen aus Bequemlichkeit den "Hengst um die Ecke "aus. So was darf nicht sein.

Viele haben dazu Ideen, doch wie umsetzen ?
Eigendlich sollten Röntgen-Bilder mit in die Stutbucheintragung fließen. Die dann alle 4 Jahr erneuert werden müssten. Und für jederman zur Info zugänglich sein.

Oft gibt eine Stute bewieserner Maßen ihre Exterieurmängel (z.B. Fehlstellungen) nicht mit und bringen überdurchschnittliche Fohlen. Was macht man hier ?

Ein Thema, über das man reichlich diskutieren kann....

Dimona
03.11.2003, 12:49
Ich würde bei der Auswahl der Zuchtstute vor allem Wert auf das Interieur legen. Man sagt ja, das der Nachwuchs bis zu 70 % von der Stute erbt aber zumeist zu 100 % ihren Charakter. Die ersten Monate mit der Stute zusammen sind sehr prägend für das Fohlen und viele Eigenarten werden übernomme. Daher halte ich -Exterieurfehler hin ider her- die inneren Werte für besonders wichtig, unsere Stuten sollten klar im Kopf sein, damit man mit dem Nachwuchs später auch im Sport was erden kann.

03.11.2003, 13:02
Das mit dem Interieur ist aber schwierig zu bewerten. Viele Verhaltens- und Charakterschwierigkeiten kommen auch durch falsche Aufzucht und Handhabung der Pferde.
Ich kenne ein ganz krasses Beispiel: ein Bekannter hatte eine Zuchtstute, die war eine ganz miese "Ziege". Die hat Zeit ihres Lebens keinen Hufschmied an sich ran gelassen und auch schon mal 3 gestandene Mannsbilder in der Box stramm stehen lassen. Da hat sich keiner freiwillig ran gewagt.
Die Nachzucht kann sich aber sehen lassen - bei unterschiedlicher Hengste (Artwig, Akzent, Agentinus, Davignon etc.) alles charakterlich einwandfreie Pferde, von denen einige bis Grand Prix gehen.
Mein Bekannter hatte die Stute nach dem Tod des Vorbesitzers gekauft, weill er schon ein tolles Fohlen von ihr gekauft hatte.

duntroon
03.11.2003, 13:11
@bilwis - vollkommen richtig

zu deiner anmerkung mit den hengsten die im mehr als stuten im rampenlicht stehen möchte ich noch eins sagen: grundsätzlich werden zu viele hengste viel zu früh und zu einfach gekört. man sollte hengste frühestens 4,5 jährig zum ersten mal prüfen, dann für zwei fohlenjahrgänge zulassen und dann nach beurteilung des ersten fohlenjahrganges befristet zulassen bis die ersten nachkommen unter dem sattel beurteilt werden können. erst danach dann eine uneingeschränkte deckgenehmigung erteilen. in der zeit zwischen dem zweiten fohlenjahrgang und der endgültigen zulassung nach beurteilung der ersten nachkommen unter dem reiter müssten die hengste eine mindestanforderung im sport nachzuweisen haben.

duntroon
03.11.2003, 13:16
sicher ist gutes interieur sehr wichtig bei einem pferd nur was bringt das beste intereur wenn das exterieur nicht zu vertreten ist ?

03.11.2003, 13:27
Also ich halte die Auswahl der Stuten gewissermaßen für die Kernkompetenz eines Züchters, die man ihm nicht nehmen sollte. Hier wird sich auch der erfolgreiche vom weniger erfolgreichen unterscheiden. Wenn ich als Interessent ein Fohlen anschauen und der Verkäufer kann mir nichts über den Stutenstamm sagen, da wird das Fohlen gleich unattraktiver. Und wenn sich Kaufinteressenten nicht für die Mutterstämme interessieren, was sehr häufig der Fall ist, müssen sie halt mit den Folgen leben.

Sicherlich ist aber einiges zu verbessern,was die Bewertung der Stuten betrifft.
Bei Eintragung und Prämierung muß unbedingt der Galopp einbezogen werden. Auch ein Freilaufen kann nicht schaden, damit mehr die Qualität des Pferdes als die des Vorführers bewertet werden. Auch sollte man die Vergabe von Staatspr. nicht auf 3-jährig beschränken und ggfalls auch Nachzuchtleistungen einfließen lassen. Denkbar wären auch springbetonte Klassen, um die Springlinien mehr zu fördern. Vieles davon war ja auf der Bundesschau schon verwirklicht, man sollte das auch mal für die Landespferdezuchten einführen.

03.11.2003, 13:37
Schwieriges Thema, da es immer die Ausnahme gibt(und jeder Züchter hofft natürlich diese Ausnahme im Stall stehen zu haben...).
Halte Interieur auch für ein sehr wichtiges Kriterium-hier kann nur der Züchter selbst entscheiden, um alle Faktoren(Aufzucht, Vorbesitzer) ausreichend zu berücksichtigen.

Und genau hier liegt das Dilemma.Da heult man mit den Propheten, sieht meistens nicht, was eigentlich raus gehört usw.
Am Exterieur würde ich das nicht unbedingt festmachen-oder wollen wir nur ganz schöne Pferde züchten.
Im "großen" Sport gibt es so einige Mängel zu bestaunen, und es geht doch!
Und das ist für mich auch schon der nächste wichtige Anspruch an eine Zuchtstute: Härte, Leistungsbereitschaft und den Nerv.
Klar, eine Vorderbein wie ein Fragezeichen wäre sicherlich nicht - trotz allen Kampfgeistes- das, was ich unbedingt als Zuchtstuten haben muss.......

03.11.2003, 14:24
extrem schwieriges Thema:
Aber als Aufzüchter schon vieler Fohlen
und auch als Mama eigener Töchter möchte ich folgendes sagen:

Hengst und Stute können gleichermassen einfliessen, aber auch in der einen oder anderen Richtung sich mehr vererben, es gibt hier keine Regel, und das ist die Natur und so in Ordnung. Immer 60 - 70 % bei der Stute das möchte ich verneien,das kann schon passieren, aber meistens findet man hier schon oft nur den Vater oder Grossvater oder dannn total den hintern Mutterstamm, so different ist das.
Und deswegen oft so unqualifiziert das verreissen von gekörten Hengsten, die können des meistens nicht für ihre Nachkommen. Erst die, die massenhaft Stuten bekommen, kann man wirklich beurteilen.

Bezüglich Interieur kann ich als Mama von Kindern und Fohlen sagen, das die Erziehung des Menschen ganz entscheidend sein kann.
Vor allem bezüglich Fohlenaufzucht und weiterer Ausbildung !!
Viel Menschlichkeit und Pferdeflüsterei ist hier gefragt, den auch die Pferde sollen ja dann vor allem mit dem Herrchen zusammenarbeiten.

So viel Züchterglück und so viel gekörte Hengste, wer kann schon wirklich sagen, was der nächste Fohlenjahrgang bringt ??

Die meisten Grand Prix Pferde weisen extreme Exterieur oder INterieur Fehler auf !!!

Es werden so viele Deckhengste in der Luft zerrissen !!

LG

03.11.2003, 14:44
sehr interessantes und komplexes Thema. Die letzten Beiträge von abigail, Manja und jollysfohlen treffen die Sache m.E. am besten.
Denn wer bitte Basti, soll die Entscheidung denn treffen, wenn nicht der Züchter selbst. Viell. sollten die Aufnahme-Kommissionen mehr Stuten ins Stutbuch aufnehmen, um so mangelh. Qualität auf die Art zu kennzeichnen.
Bilwis, was bitteschön soll dem Züchter denn noch alles an Kosten ( Röngen etc. ) aufgebürdet werden. Soll er auch noch garantieren, dass seine Produkte unter Otto-Normalverbr. bis S laufen, um dann vom Käufer viell. 3 - 4.000 Euro zu erhalten ?
Wer soll die Interieur-Werte denn bewerten, Dimona ?
Welcher Hengsthalter kann es sich denn leisten, sein teuer erworbenes Produkt erst mit 4,5 Jahren oder später eizusetzen, Duntroon ?
Das sind nur einige Anmerkungen, die ich zu dem Thema machen möchte, denn sonst könnte man locker eine 4-5 seitige Stellungnahme abgeben.
LG

duntroon
03.11.2003, 14:53
das thema hengste sollte man mal zu einem späteren zeitpunkt gesondert behandel. nur noch so viel: wie kaputt werden so junge, noch nicht ausgereifte pferde gemacht wenn sie im jugendlichen alter und in "kurzer" zeit fertig gemacht werden - wie viele verschwinden wieder in der versenkung ? es geht doch gar nicht mehr um grundsolide ausbildung - es geht doch nur noch um geldgier ! aber nun wieder zu den stuten...

03.11.2003, 15:04
nein, jetzt zu den Hengsten:

da sollten nicht so viele jung gekört werden, das sollte Reife auch ein Kriterium spielen, sodass die armen nicht schon mit 2,5 und 3 Jahre so "hergehaut" werden.

Wir wollten doch auch alle in den Kindergarten gehen und unsere Ruhe haben und noch nicht lernen !!!!

Aber schon seit Jahrzehnen regiert die Geldgier, ganz richtig !!!!

duntroon
03.11.2003, 15:14
man kann von massenproduktion sprechen, nur leider bleiben so gut wie keine wirklichen vererber hängen - wo sind die nachfolger eines argentinus oder raphaels zum beispiel ?

hochgelobt als 3 jähriger und wenn es ganz blöd läuft vergessen vor dem ersten fohlenjahrgang ... spätestens aber danach.

@hannoverian: wer sich das leisten kann ? der gedanke stellt sich für mich nicht, da es auf der einen seite dann jeden betreffen würde und auf der anderen seite vielleicht die masse an hengsten etwas reduzieren würde. es verkauft auch keiner ein halb fertiges und nur teilweise zusammengebautes auto, oder ?

hannoveraner
03.11.2003, 15:47
jetzt werden in diesem Topic schon zwei verdammt interessante Themen behandelt: Stutenauswahl und Hengstauswahl!

Zu den Stuten: Schließe mich den Vorrednern an, die Entscheidung zur Zuchtverwendung wird immer der Züchter treffen und das ist auch gut so. Wir Züchter müssen aber unbedingt noch kritischer unsere Pferde mit anderen Pferden vergleichen um nicht eines Tages aus allen Wolken zu fallen, wenn sie ihre Pferde nicht vermarkten können (...aber dann ist ja der Verband schuld ;-)) Der Vergleich auf Schauen, normalen Eintragungen, Zuchtstutenprüfungen und vor allem auch Turniersport ist absolut notwendig und wird viel zu selten wirklich selbstkritisch von den Züchtern (...aber auch Reitern!!) gemacht. Ich denke, man wird bei den Stuten das Interieur und die Gesundheit nicht mit realistischen Mitteln überprüfen können, die äußeren Einflüsse sind nicht einzuschätzen. Um etwas mehr über die Härte und den Einsatzwillen unserer Pferde zu erfahren, sollten wir vielleicht unseren Stuten das Pflügen und Eggen wieder überlassen! Hört sich jetzt blöde an, die Arbeit früher war aber sicherlich nicht die schlechteste Leistungsprüfung!!!

Zu den Hengsten: Vielleicht sollten wir ein weiteres Topic starten mit dem Thema: Ist die Körung an der Hand noch zeitgemäß?? Da würde mir verdammt viel pro und contra einfallen!

Sternchen
03.11.2003, 15:49
ich finds auch wichtig, die stuten kritisch zu beurteilen. aber ich finde es ist zu bedenken, dass ein hengst viel mehr einflus hat als eine stute. ein hengst macht zich fohlen im jahr, eine stute dagegen bringt es in ihrem leben vielleicht auf 15.
also ist für die gesamte zucht eine stute mit bedingten mängeln eher zu vertreten als ein solcher hengst. allerdings kann jeder züchter eine mangelhafte stute zum hengst bringen. aber welcher mangelhafte hengst kriegt viele stuten?

monti
03.11.2003, 15:57
Was mich in letzter Zeit immer mehr ärgert ist, dass die ganze Züchterei eine riesengroße Werbeveranstaltung geworden ist. Wer am meisten Geld für Management ausgeben kann, kann seine Hengste auch am besten an den Mann bringen - und wie Ihr schon gesagt habt: bei 100 und mehr Stuten bleibt immer genügend gute Nachzucht hängen. Dann sind da Hengste, die gut vererben und die fast keiner kennt. Wir hatten das Thema in "Outcross-Hengste" schon.

Zur Vererbung: Stuten und Hengste vererben sich oft nicht selbst sondern ihre Eltern oder Großeltern.
Mir hat z.B. der Beg xx in Hörstein damals vor allem wegen seinem super Charakter, wegen seiner Eigenleistung, seiner guten Hinterhand, schwingendem Rücken und Elenbogenfreiheit gut gefallen - und er hat sich auch nicht immer selbst vererbt (obwohl er bei den Trakehnern 3 Halbblut-Hengste geliefert hat). Die Holsteiner wollten ihn nicht haben, weil er ihnen zu klein war. Beg xx ist Hürden und Flachrennen plaziert, Springen und Vielseitigkeit S und wurde in der kurzen Zeit, in der er in Holstein stand bis St.Georg Dr. geritten.

Zu den Stuten:
Ich habe 2 Stutenfamilien jeweils in der 3. Generation.
Die Fohlen behandele ich immer gleich - trotzdem sind die Fohlen aus beiden Familien völlig verschieden - wobei in der lebhaften (z.T. etwas schwierigen) Stutenfamilie die Stutfohlen fast genauso frech sind wie ihre Mütter - die Hengstfohlen aber sehr pflegeleicht !?

03.11.2003, 16:07
@jollysfohlen, duntroon:
Geldgier hin oder her, Hengsstationen sind doch auch nur Wirtschaftsbetriebe, die einen angemessenen Deckungsbeitrag erwirtschaften müssen, um interessant zu sein.
Es werden irgendwann aus gefragten Youngstern auch echte Vererber...nicht aus Allen, aber sicherlich aus Mehreren. Und das war auch früher schon so.
Warum ist denn die Nachfrage nach aktuellen Nachkommen der Jüngeren grösser als nach Nachkommen der älteren Vertreter ? Weil die Zucht sich in Bezug auf Typ, Bedienerfreundlichkeit etc. weiterentwickelt hat.
Den Vergleich mit halbfert. und fertigen Autos halte ich nicht unbedingt für angebracht, denn nach Deiner Version müsste man sich ja für Oldtimer entscheiden ( Käfer ), die schon eine hohe Laufleistung aufzuweisen haben.
LG

03.11.2003, 16:14
@hannoveraner:
gehe weitestgehend kondom mit Deinen Ausführungen.
LG

duntroon
03.11.2003, 16:27
dass nachkommen aktueller hengste gefragter sind liegt an der vermarktung und nicht daran dass diese besser sind - ich für meinen teil ziehe einen oltimer wie argentinus und raphael eben einem unerprobten dafür aber werbetechnisch hochgepuschten eben vor. es geht auch lediglich nur darum, den youngstern zuerst einmal die gelegenheit zu geben dass sie sich entsprechend seiner natur entwickeln können. sicher sind hengststationen wirtschaftsbetriebe aber noch interessanter werden diese wenn das pferd an erster stelle steht. ein youngster jagt den nächsten - durchsetzen werden sich die wenigsten und der züchter, der einen dieser hochgelobten und dann doch wieder vergessenen hengeste genutz hat bleibt auf der strecke weil keiner die nachkommen des vergessenen und doch nicht so tollen hengestes haben möchte. es kann doch nicht der sinn der sache sein soviele hengste wie nur möglich zu machen um möglichst schnell zu hohen bedeckungszahlen zu kommen. ich möchte mal einfach die frage in den raum stellen wo wäre ein de niro zuchttechnisch gesehen wenn die werbewirksamen mittel nicht da wären ? sicher ein klasse sportpferd, aber ein vererber ?

was ist mit einem K2 oder ron william ?

duntroon
03.11.2003, 16:29
Zitat[/b] (Hannoverian @ Nov. 03 2003,15:14)]@hannoveraner:
gehe weitestgehend kondom mit Deinen Ausführungen.
LG
du meinst hoffentlich "konform" http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/smile.gif http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/biggrin.gif http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/laugh.gif

03.11.2003, 16:40
@duntroon: ja wir gehen kondom, dass ich konform meine.
Im grunde genommen haben wir doch Beide etwas Recht. Ich züchte doch das Produkt, nach dem der Markt schreit, um meine Zucht einigermassen lukrativ zu gestalten.
Dabei ist mir persönlich egal, ob andere Züchter auch den Hengst favorisieren, den ich mir gerade ausgesucht habe und ich lasse mich auch durch Marketing nicht wesentlich beeinflussen.
Zu den von Dir angeführten Hengsten: ich habe Keinen der 3 benutzt. Wobei mich De Niro noch am ehesten ineressiert hätte, da die ersten Nachkommen sich als Fohlen sehr gut repräsentiert haben und insofern auch gut zu vermarkten waren. Die anderen Beiden haben mich trotz "guten Marketings" nicht die Bohne interessiert.
LG

duntroon
03.11.2003, 16:47
da könnten wir uns einig sein - ich für meinen teil setzte zum momentanen zeitpunkt auf altes blut .. nennen wir es erhaltungszucht. vermarktungstechnisch verstehe ich dich völlig. der markt schreit und wenn du das passende papier hast schauen sich viele das pferd doch schon gar nicht mehr an.

zu den genannten hengsten muss ich dir recht geben dass de niro gut zu vermarktende pferde macht die sich als fohlen sehr gut präsentieren aber eben nachher vielleicht nicht dem entsprechen was man erwartet hat. mich persönlich interessiert eher K2 als veredler zukünftiger generationen.

duntroon
03.11.2003, 16:52
Zitat[/b] (hannoveraner @ Nov. 03 2003,14:47)]Zu den Hengsten: Vielleicht sollten wir ein weiteres Topic starten mit dem Thema: Ist die Körung an der Hand noch zeitgemäß?? Da würde mir verdammt viel pro und contra einfallen!
nur zu - wird sicher sehr interessant

hike
03.11.2003, 17:28
Schaun wir uns doch z.B. die Holländer an. Die haben sehr strenges Röntgenkriterien für ihre Hengste. Ich weiß, dass manche Pferd mit Röntgenklassen 4 (die Klassen sind ja auch umstritten) niemals lahm gehen und andere, die gute Bilder haben, gehen trotzdem lahm. Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Kriterien hier angezogen werden sollten. Auf die Aufzuchtsbedingungen würde damit auch Einfluß genommen werden. Sicher gibt es immer mal wieder ein Pferd was trotz bester Bedingungen zu Chips, Hufrolle, etc. neigt, aber die große Mehrheit würde es danken. Da bin ich sicher.

Umsetzung: Heute wird doch fast jedes Pferd getüvt gekauft. Da könnten die Röntgenbilder mitgemacht werden. Vielleicht könnte man es wie bei den Ponys, die bis 7jährig (?) nachgemessen werden, machen. Ich meine, dass die Bilder von einer 6jährigen gültig bleiben.

LG Hike

Llewella
03.11.2003, 19:49
Bei Mängeln bei einer Stute habe ich mal einen Spruch von Holger Heck gelesen, den ich eigentlich ziemlich gut fand:

Wenn man eine Stute mit vielen kleinen Mängeln hat, braucht man ein Schrotgewehr, um diese vielen Mängel zu treffe (=zu verbesern). Mit einem Schrotgewehr wird man schon irgendetwas treffen - die Frage ist nur was!

Wenn man eine Stute mit zwei großen Mängeln hat, kann man einen Scharfschützen nehmen und die Wahrscheinlichkeit steigt, daß man dann auch trifft, sprich die Mängel ausbügelt.

Von daher würde ich eine Stute mit ein oder zwei großen Mängeln eher einsetzen.

Interieur ist auch sehr sehr wichtig, denn man möchte ja auch Spaß haben, das "Produkt" zu reiten.

Ein anderes Sprichwort sagt aber: "Der beste Weg in die Mittelmäßigkeit ist, einen perfekten Hengst mit einer perfekten Stute anzupaaren" (Ich weiß nur nimmer, von wem der ist). Und auch das habe ich schon erlebt....

Ansonsten kann ich den anderen nur zustimmen: Ein wenig Kenntnis sollte man auch dem Züchter zugestehen!!!

Kareen
03.11.2003, 20:18
Wow, eine Menge guter Ideen und teilweise provokanter Aussagen heute hier http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/smile.gif
Grundsätzlich stimme ich auf jeden Fall zu, dass Stuten schärfer selektiert gehören. Das Problem ist, dass man selten relativierbare Kriterien hat, die wirklich Sinn für eine Selektion in Richtung Zuchtausschluß ergeben würden.
Nehmen wir die Eigenleistung?
Kein guter Gedanke, denn supererfolgreiche Sportstuten haben bislang selten Nachzucht gehabt, die auch nur im entferntesten an die eigenen Brillianz herangereicht hätte. Umgekehrt gibt's aber eine Menge (vor allem älterer) Stuten, die selber Reiten nur vom Hörensagen kennen, aber trotzdem beständig Gutes liefern.
Ähnlich sieht's mit den Beurteilungen auf Stutbuchaufnahmen bzw. SLP aus, von denen man oftmals den Eindruck hat, sie würden im Lotterieverfahren vergeben oder getreu dem Motto 'welcher Hengst muß gerade nach vorne?'
Was das Röntgen angeht: So weit kommt's noch, dass wir hier genau so eine Röntgenparanoia kriegen, wie im Ausland http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/tounge.gif Man kann von tierärztlicher Seite gar nicht oft genug betonen, dass die Korrelation zwischen Röntgenbefunden bei klinisch unauffälligen Pferden und späterer klinischer Krankengeschichte gering ist, und dass die Mehrheit der permanent lahmen Pferde wegen Weichteilproblemen (Sehnen, Sehnenscheiden, Fesselträger, Unterstützungsband usw.usw.)
ausscheidet. Dass OCD eine Mehrfaktorenerscheinung ist, dass fast genausoviele Pferde wegen COB oder Problemen im Verdauungstrakt (Kolik) 'raus' sind und auch dort eine genetische Disposition zumindest diskutiert wird, die aber komischerweise niemanden zu interessieren scheint, dass möglicherweise die Bedeutung von Röntgenbefunden heutzutage nur deshalb so zugenommen hat, weil einfach mehr geröngt wird und es bessere Geräte gibt usw.usw.
Natürlich sollte auf Gesundheit selektiert werden, aber das darf nicht dazu führen, dass leistungsstarke (und langlebige) Hengste diskreditiert werden, nur weil irgendwo eine Knochennase rumhängt oder ein Chip. Jeder sollte als Züchter verantwortungsbewußt handeln und am besten zuerst vor seiner eigenen Tür kehren. Das heißt für mich: Kranke und 'Möhrenproduzenten' raus aus der Zucht und - so hart das klingt: Ab in den Freizeitsport. Wenn sich keine Seele findet, die das Tier kauft, steht man eben vor der Wahl zwischen Gnadenbrot und Gnadentod. So einfach ist das. Wenn man dann gut dran ist und Land genug hat, kann man seine 'Fehlfarben' ja günstig bis zum natürlichen Ende ernähren. In der Zucht jedenfalls haben sie wirklich nichts zu suchen.

Im Grunde taugt nicht mal die Turniersportprüfung wirklich als Qualitätsbeweis, weil nachweislich nur ein ganz geringer Prozentsatz der ge-(oder er-?)zeugten Fohlen überhaupt im Turnierzirkus landet.

Was ich prima fände, wäre ein Einfluß von Kriterien wie Lebensdauer und erreichter Ausbildungsstand der Nachkommen einer Stute. Aber auch da hat man wieder das Problem, dass zu viele Faktoren eine Rolle spielen. Kann ja schließlich das Pferd nichts dafür, wenn es z.B. bei einem Verkehrsunfall getötet wird. Trotzdem denke ich, läßt sich mittlere Lebensdauer von Nachkommen noch relativ einfach ermitteln und läßt gewisse Rückschlüsse zu.

Ich denke mal, am meisten krankt heute unsere Zucht daran, dass - wie wir schon an anderer Stelle breit diskutiert haben - ein krasser Gegensatz besteht zwischen dem, was langfristig gut ist, und dem was aktuell am Markt gefragt ist. Wenn wir nicht zurückwollen zur fast reinen Zufallszucht, bei der sich aus einer großen Masse zwangsläufig selbsttätig eine kleine Schar von Spitzenpferden herauspellte (Motto: 'Dei Deern is doch 'n ölliket Perd, dei mott doch no'n Hingst!'), werden wir uns entweder auf die eigene Verantwortung besinnen müssen und selber die 'Erhaltungszucht' in die Hand nehmen oder irgendwann mal böse in die Röhre gucken.

Was die spinnerten Stutenstämme angeht, denke ich 'watt dän ein' sin Uhl is dän annern sin Nachtigall'. Also was für den einen schon nicht-kopfklar-genug ist, mag dem anderen gerade wegen Kämpfergeist und Härte recht kommen. Ich finde eh', dass wir wegen des Überangebots an guten Reitpferde heute viel zu schnell bei der Hand sind, das Pferd dem Reiter anpassen zu wollen. Man muß es mal so sagen: Viele Reiter / Pferdekäufer von heute reiten einfach zu schlecht oder haben keine Ahnung. Darüber muß man auch mal reden, nicht immer nur darüber, was 'der' Züchter (wie sieht 'der' überhaupt aus, sind doch meist Weiber involviert heute?) so alles falsch macht http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/rock.gif
Auch habe ich das Gefühl, dass gerade bezüglich Interieur mit zweierlei Maß gemessen wird: Warum z.B. ein Stakkato, der nachweislich eine große Anzahl von wirklich fiesen Viechern sowohl in seiner Nachzucht als auch unter seinen Vorfahren hat (Spartan reicht m.E. für zwei Generationen...), von denen dazu noch die Mehrzahl überaus kritische Hufe hat, als so eine Art Lordsiegelbewahrer der Springpferdezucht gefeiert wird, ist mir schleierhaft.
Eins ist jedenfalls klar: Überläßt man die Pferdezucht rein marktwirtschaftlichen Mechanismen, wird da nix von.
Problem ist: Den wohlhabenden Bauern, der es sich leisten konnte, ohne oder mit geringem Profit die Stutenstämme zu erhalten und zu pflegen - ja auch dadurch, dass man über lange Jahre hinweg zum Hengst 'um die Ecke' gezogen ist, der einem eben vom Landstallmeister vor die Tür gestellt wurde - gibt es heute nicht mehr. Wo früher 15 Vollerwerbsbetriebe waren, ist heute wenn es hoch kommt vielleicht noch einer und mit großer Wahrscheinlichkeit wird der in ein oder zwei Generationen auch weg sein.
Da wird wohl oder übel jemand in die Bresche springen müssen, sonst sehen unsere Landespferdezuchten bald ganz alt aus. Die Heerscharen von Wendy-Kindern aus den Reitställen sehe ich jedenfalls nicht über jahrzehnte hinweg an irgendwelchen Stutenfamilien basteln und Sammeln. Die sind irgendwann mal Arzt, Anwalt oder Callcenter-agent und leisten sich vielleicht ein eigenes Reitpferd, aber bestimmt keinen Zuchtstutenbestand mit Nachzucht, der ja noch viel mehr Geld kostet, wenn man die Viecher unterstellen muß.

Benjie
03.11.2003, 22:44
Jeder ist seines Glückes eigener Schmied!!
Ich behaupte das jeder einzelne Züchter für seine Produkte selbst die Hauptverantwortung trägt. Kein Verband, Hengsthalter oder Sonstwer entbindet einen von dieser Verantwortung. Auf die Dauer trennt der Markt (hoffentlich) auch die Spreu vom Weizen. Wir Decken unsere Stuten dreijährig und erproben sie danach im Sport.In die Zucht kommen unsere Stuten nur dann wieder wenn Tunierleistung und Nachzucht ein zufriedenstellendes Ergebnisgebracht haben. Bisher sind wir mit dieser Praxis auch sehr gut gefahren. Bei den Hengsten habe ich das Gefühl, so schnell am Anfang Hosiana gerufen wird, so schnell werden die Hengste ans Kreuz genagelt. Es gibt doch fasst keinen Althengst über den in diesem Forum noch nicht der Stab gebrochen wurde. Natürlich darf man alles und jedes Kritisieren und die Mängeln eines Vererbers sollten auch offen auf den Tisch, aber es sollte doch auch immer eine Abwägung zwischen guten und schlechten Eigenschaften sein. Nehmen wir z.B. Rubinstein, wenn man hier die Foren liest dann heist es kein Trab, kein Antritt, schlechte Hinterhand. Das er aber der Einzige ist der drei Topdressurperde im Viereck hat das hört man nicht. Ich glaube nicht das es heute keine grossen Vererber mehr gibt, man geht mit den Hengsten nur zu hart ins Gericht.

Dolly
03.11.2003, 23:54
HI,
es war super interessant, diese Berichte zu lesen!

Ich wollte nicht einfach weiterklicken, ohne zu bemerken, dass es hier doch viele Leute im Forum gibt, wo es sich lohnt,
die Berichte zu lesen.

Besonders der Beitrag von Kareen hat mir sehr gut gefallen.

LG,Dolly

04.11.2003, 00:01
http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/biggrin.gif Holger, er hätte an dieser Diskussion seine Freude gehabt....
Dabei kann man es damit genau auf den Punkt bringen.

Er hat mir auch mal gesagt: "mach den Fehler nicht, und versuche einen kurzen Hals der Stute mit einem langen Hals des Hengstes ausgleichen zu wollen-das funktioniert nicht...."

Schön, an Holger zu denken, ihm habe ich sehr viel interessantes zu verdanken!

(Sorry, schon wieder am Thema vorbei-)

vielePferde
04.11.2003, 00:14
Kareen: wat heet denn "ölliket" http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/rock.gif
Nu' lernen wir hier auch noch Platt-Dialekte zu unterscheiden ;-)

04.11.2003, 00:20
@kareen: schließe mich an.
Sehr genaue Ausführungen-vorallem sehr kurzweilig zu lesen.

So bleibt also die kritische Auswahl der Stuten dem Züchter überlassen-was meiner Meinung auch einzig Sinn macht, da es tatsächlich keine allgemeingültige Formel der Selektion zuchttauglichen Materials geben kann.

Und ganz ehrlich, das ist auch gut so-auch wenn die individualisten aussterben, oder die organisierten Stuten stämme nur noch Zufallsprodukte sein könnten- so muss das jeder für sich selbst entscheiden, können, wollen, dürfen.
(schade natürlich-aber gerade solche Situationen werden Träumer und Idealisten auf den Sprung bringen......)

Maren
04.11.2003, 09:54
Amen, Kareen. Ich kann bis heute nicht nachvolziehen, warum die Holländer so mit den Röntgenbildern verfahren, bzw. warum sie auch noch stolz sind auf diese "Auslese". Ich fordere dann jetzt einfach mal spontan Ultraschalls für alle 3j, und wehe, ich sehe aufgeribbelte Sehnenfasern.....

Für mich sind Weichteilerkrankungen bei Sportpferden wesentlich gefährlicher als eine Kl II-III Röntgenbefund. Ganz klar auch eine Entwicklung die dem Rückgang arabischer und anderer Vollblutgene in der Zucht ganz allgemein Rechnung trägt. Womit wir wieder bei den Stuten sind. Alle Selektionskriterien, die wir momentan zur Hand haben, ob es Eintragung, SLP oder Turniersport sind, sagen im Endeffekt wenig über die zuchttauglichkeit einer Stute aus. Da muß man sich schon die Mühe machen, und mal genau in die Ahnenreihen seines Stutenstammes blicken. Dennoch halte ich diese Selektionsmaßstäbe für angebracht, mich persönlich interessiert da am meisten der Turniersport bzw der Satteltest (bis auf eine sind alle unsere Weiber unter'm Sattel in der "Bauchfreien" Zeit). Wenn sich da eine als besonders schwer zu bedienen, unrittig, wenig Willen etc auszeichnen würde, würde ich sie konsequent aus der Zucht nehmen. Natürlich ist das subjektiv, den ich urteile schließlich selber, was ich für "rittig" halte, aber bis jetzt bin ich damit sehr gut gefahren.

Was die Körerei angeht, muß ich Duntroon mal den Rücken stärkern. Eine Welt, in der 10% der Hengste 80% der Stuten beglücken, davon nicht weniger als die Hälfte Hochglanzpropekt-Jungtiere, ist einfach etwas aus den fugen geraten. Laßt uns doch die Diskussion in 20 Jahren mal wiederholen, würde mich brennend interessieren.

hannoveraner
04.11.2003, 10:55
Moral von der Geschicht:

Man darf die Stuten anderer nicht beurteilen, geschweige denn selektieren, wir kennen ja gar nicht den Background der Pferde?http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/rock.gif

Dürfen wir uns wirklich damit zufrieden geben?

[QUOTE]Kareen:
Im Grunde taugt nicht mal die Turniersportprüfung wirklich als Qualitätsbeweis, weil nachweislich nur ein ganz geringer Prozentsatz der ge-(oder er-?)zeugten Fohlen überhaupt im Turnierzirkus landet.


Ist das wirklich so??
Ich denke es gibt eine Reihe Stämme die sehr viele Nachkommen in den Sport bringt. Es gibt auch Stämme die durchgehend hervorragende Reiteigenschaften mitbringen sprich auch gut vom Nichtprofi zu bedienen und zu sitzen sind.

Die ganze Diskussion zeigt wie komplex dieses Thema ist und man sollte auch nachsichtig mit den offiziellen Beurteilern sein. Ich denke nicht, daß die Noten im "Lotterieverfahren vergeben werden". Man sollte sich kritisch mit diesen Benotungen auseinandersetzen und überprüfen, dann wird man auch seinen eigenen Weg finden (...obwohl manche Benotungen wirklich verdammt schwer nachzuvollziehen sind http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/wink.gif)

04.11.2003, 11:39
Zitat[/b] (hannoveraner @ Nov. 04 2003,09:55)]Es gibt auch Stämme die durchgehend hervorragende Reiteigenschaften mitbringen sprich auch gut vom Nichtprofi zu bedienen und zu sitzen sind.
Dies gilt aber nicht nur für Stutenstämme sonder auch für die Hengste.

Trotzdem hat man das Gefühl, daß solche bekannten und verdienten Vererber zur Zeit nicht gefragt sind. Da wird lieber zu den hochgepuschten Jungstars gegriffen oder der bekannte Einheitsbrei aus D, W und R gezüchtet.

Die Frage ist halt: für wen wird gezüchtet? Wieviele Pferde landen wirklich im Spitzensport und wieviele bei Ottonormalverbraucher?

Wenn dann das Thema "Vermarktung" kommt, dann kann ich aus eigener Erfahrung nur sagen: es ist erstaunlich, wieviel Resonance es auf eine Anzeige eines Nachkommens von einem o.g. bewährten Vererber gibt. Ottonormalverbraucher weiss gewisse Reiteigenschaften schon zu würdigen. Nicht jeder möchte ein "Leistungspferd", mit dem er im Endeffekt nicht umgehen kann.

04.11.2003, 11:42
@basti
Welche bewährten Vererber meinst du z.Bsp.?

monti
04.11.2003, 12:50
Wenn ich heute ein Pferd anbiete und es ist nicht brav und rittig ist es fast nicht zu verkaufen !
Und es kommen auf die Anzeige doch meist die "Otto-Normalverbraucher" und denen ist dann doch im Endeffekt das "brave" Pferd wichtiger als die Farbe oder Abstammung.

Ich hatte nur einmal einen Fall, bei dem ausdrücklich ein lebhaftes bis heißes Pferd verlangt wurde - für die Vielseitigkeit.

Also geht doch das Interieur vor und gleich danach kommt die Gesundheit. Und wenn ich ehrlich sein soll - wenn ich alle meine Stuten verkaufen müsste bis auf eine, würde ich meine 3-jährige behalten:
praktisch scheufrei, Allrounder, mutig vorneweg, braucht bei Paddock-Gang nicht jeden Tag Arbeit, kommt mit allen anderen Pferden klar, die Mutter war gesund aber ein Charakterschwein, die Großmutter im Springsport - danach bis 28-jährig Freizeit geritten.

Und wenn sie x- oder o-beinig wäre oder grün mit roten Punkten - wäre mir das auch egal !

04.11.2003, 12:58
Wenn ich eins in diesem Forum gelernt habe, dann ist es das, sehr vorsichtig mit dem Nennen von älteren Vererbern zu werden, ausgenommen es handelt sich um absolute "Säulen" der Zucht. Da ist es ja schon vorprogrammiert, daß man in der Luft zerrissen wird. Gerade bei den westfälischen Hengsten ist hier die Gefahr sehr groß, ausgenommen es handelt sich vielleicht noch um einen Florestan.

Man wundert sich nur, wenn man z.Bsp. mal einen Nachkommen von Mon Cheri (ist wieder hannoversch) annonciert, was das für eine Resonance bringt. Es soll sogar Leute geben, die explizit auf der Suche nach Nachkommen sind, weil die halt die Reitpferdeeigenschaften erkannt haben. http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/wink.gif Erstaunlich, da der Hengst lt. Forumsteilnehmer nie was für die Zucht gebracht hat. http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/biggrin.gif Aber Reitpferde, mit denen Ottonormalverbraucher gut umgehen kann.
Leider sind dies die Vererber, die kaum noch Stuten bekommen.

04.11.2003, 13:12
Also auch Otto Normalo legt wert auf Qualität, denn die überwiegend Freizeit gerittenen Spasspferde, dürfte es längst auf einem anderen Markt geben.
So gerade Spezialrassen ansolut trendy-oder alles was einen Westernsattel tragen kann/will.
Ich denke die WB-Zucht wird immer vornehmlich den Sportreitern bestimmt sein-egal in welcher Klasse-und genau da heisst es Qualität zu züchten, Nerv, Härte und einfaches handling.....

Kann man ewigdiskutieren-auch was die mode betrifft.Das Forum ist ein wunderbarer Spiegel: Wieviel moderne Hengste werden hier nachgefragt und wieviel "unmodernere".Wer hat was zu welchem Hengst zu sagen-tja, bei den älteren Vererbern fallen die antworten doch sehr knapp aus.....
(einfach nicht mehr unsere Generation....?)

@Basti: nur Mut http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/biggrin.gif -kochen alle nur mit Wasser.... http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/biggrin.gif

Kareen
04.11.2003, 14:29
@hannoveraner: Ja das ist tatsächlich so. Die FN hat vor ein paar Jahren und vergangenes Jahr auch nochmal eine umfangreiche Statistik veröffentlicht, die es bestimmt auch noch irgendwo zu kaufen gibt.
Da haben sie sich ganz schön erschreckt über manche Ergebnisse. So stellte sich raus, dass überhaupt nur ein geringer Prozentsatz aller reiterlich aktiven Deutschen in Vereinen organisiert ist. Noch weniger haben irgendein Interesse bekundet, am Turniersport (was für Turniere auch immer) teilzunehmen. Und der Anteil sinkt und sinkt. Vielleicht hat das mit unserer z.T. doch recht verschrobenen Turnierreiterszene zu tun. Mir selber ging das nicht anders. Nach 12 Jahren Turniergurkerei und mehreren Jahren Pause muß ich zugeben, dass mir die überwiegende Mehrheit der Leute dort kein bißchen fehlt ;)

Schockierend auch, dass ein Turnierpferd in Dtl. im Schnitt nur 1.5 Saisons eingesetzt wird. Das wären so Dinge, bei denen ich Handlungsbedarf sehen würde. Allein schon, wenn man einen Bezug herzustellen versucht zwischen der Anzahl der Bedeckungen und den tatsächlich am Markt erscheinenden 3-jährigen von diesem Hengst.
Eigenartig z.B. wie lange es bei vielen Hanno Hengsten dauert, bis sie mal die 15 geprüften Töchter auf der Roste haben, die es braucht, um in das Jahrbuch Hengste aufgenommen zu werden. Wo bleiben die alle?
Klar gibt es Stämme, die wiederholt Spitzensportpferde hervorgebracht haben, aber ich kenn' auch genausoviele One-Hit-Wonder. Und irgendwie haben die FN-Statistiker schon recht damit, wenn sie meinen, dass S-Erfolge einen starken Umgebungsfaktor beinhalten. Das fängt schon bei der Fohlenvermarktung an womit wir wieder beim Ausgangspunkt wären, dass jeder Züchter seines Glückes Schmied ist.
Was ich auch superlästig für Nachforschungen finde ist, dass man keinerlei Möglichkeit hat, die ganzen Pferde (per Auktion Verden ja immerhin 50%) nachzuverfolgen, die ins Ausland gehen. Ich hab seit 4 Jahren fast nur nach Übersee verkauft, weil der Markt hier einfach so im Eimer war. Das rächt sich natürlich bei der Züchterprämie aber wenn man nur wenig Stuten hat und noch kein Superknaller dabei war, der einen in die höheren Verdienstetagen katapultiert hätte, kann man sich von den paar Kröten ja eh' nur ein schickes Abendessen leisten ;) Wenn der VK stimmt, gehen die Tierchen deshalb weiter ins Ausland, Erfolge hin, Züchterprämie her. Hauptsache, sie haben's nett.

Kareen
04.11.2003, 14:32
@viele Pferde: Ölliken sägget wi bi us tau'n peerd, watt gaut utsüht un sick ok ünnern Sattel seine lot'n kann. Ähm's nich so'ne Rup'nstäkers de glieks ümmefahlt oder 'n Scheusahl antekiek'n is.
http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/smile.gif 'ordentlich' halt

Llewella
04.11.2003, 14:40
Hihi, für mich als suddeutschen mit norddeutschen Eltern ist das ganz schön schwierig, weil meine Ma nur selten Anfälle auf Platt hat *gg*

Aber ich habs verstanden. Bis auf Rup'nstäkers. Was ist denn nu das?

hike
04.11.2003, 15:18
Also es wird hier wirklich wieder interessant! Und vor allem bleibt der Ton echt moderat => SUPERKLASSE!

Ich will hier nicht für das Röntgen in die Bresche springen, habe dafür auch zu wenig Ahnung davon, aber ich weiß, dass es in den 70igern vor Hufrollepferde nur so gewimmelt hat. Wie hat man das in den Griff bekommen (wirkliche Frage!)?

Wenn die Röntgenbefunde so ohne Aussage sind => WARUM machen wir es dann?

Ich kenne diverse Stuten, die auf Grund von"Beinproblemchen" nicht mehr geritten werden können. Die Damen haben teilweise nette Abstammungen und stehen, obwohl sie, sagen wir mal "unsauber" laufen (auch auf der Vorstellung ins Stutbuch) alle im HSTB. Klar kann man sagen: "Hätten wir die 3jährig eingetragen, wäre das nicht der Fall gewesen!". Aber man hat es nun mal nicht. Muss so ein Pferd in die Zucht? Sicher stellt sich da auch die Frage, ob sich diese Art von Verschleiß vererbt.

Viele Freizeitreiter haben Pferde gekauft, die es im Sport nicht bringen (Was heißt überhaupt "nicht bringen"? Kein S? Kein M? Kein L?). Sie sind es also, die die Zuchtprodukte auffangen. Bei mir gab es im näheren Umkreis einen Hengst, der sowohl für seine springenden Produkte als auch für deren saumässigen Charakter bekannt war. Schaut man sich dann an wie viele seiner Nachkommen im Internationalen Sport gehen, wie viele auf ländlichen Turnieren und wie viele einfach als "Freizeit"-Pferde, könnt ihr euch denken wie es ausfällt! Jetzt stehen also die Leute da mit ihrem Pferd, das nicht für den Sport taugt, das aber wegen jedem Staubkörnchen explodiert. Müssen die für das Zuchtziel "spritzig, sprunggewaltig, gangstark" herhalten? Viele verkaufen das Pferd zu guter Letzt, weil sie total am Ende sind, man hört es erklingen: "Scheiß WB!" und sie kaufen sich einen Cob, Isi, was-weiß-ich. Muss das so sein? Oder sollte man solch einen Hengst dann noch prämieren?

Bin jetzt etwas in Rage und muss mich mal abkühlen!

LG HIke

Llewella
04.11.2003, 15:45
Also das mit den älteren Stuten, die lahmen, sollte man nicht über einen Kamm scheren. Es gibt ja auch ältere Stuten, die aufgrund einer wirklichen Verletzung aus dem Sport gehen und dann noch in die Zucht. Und das kann man von außen nicht erkennen, warum die Stute lahmt.

Das Schicksal hätte meine fast letztes Jahr ereilt, als sie sich , gerade fünfjährig, in der Box selber so auf die Sehne geschlagen hat, daß ich den Gedanken Reitpferd schon davonschwimmen sah. (Toitoitoi, dank eines exzellenten TA haben wir das Pferdchen wieder am Laufen).

Llewella
04.11.2003, 15:47
Außerdem hat eine Freundin eine Stute in der Zucht, die sich dreijährig auf der Koppel so schwer verletzt hat, daß sie nie geritten werden konnte. Auch von einer Benotung der Bewegungen mußte Abstand genommen werden. Trotzdem ist diese Stute (von Anduc - Ergo) ihre beste Zuchtstute, deren zwei erste Fohlen total brav sind, total gesund (der inzwischen fünfjährige Wallach war Röntgenklasse I und so weit ich weiß noch nie lahm) und superanständig...

04.11.2003, 15:52
Nicht zu vergessen-gerade im Sport-ist natürlich der richtige Reiter und Trainer.
Viel zu viele Faktoren, die eine Zuchtstute beeinflussen...
Ebenso wie es Tradition sein kann Turnier zu reiten oder nicht.
Fängt doch schon in den Vereinen an.Traditionelle Turnierställe werden immer Gute Reiter hervorbringen.Vereine mit wenig Jugendarbeit und aktiven Turnierreitern eben nicht....
So hat denn die eine Stute Glück, die andere Pech-

Gibt also tatsächlich ausreichend Gründe Stuten in der Zucht erstmal eine Chance zu geben, denn wer weiss, ob sie vorher genug Chancen hatte.
(wobei wie gesagt, diverse Gebäudemängel-nee, da wäre ich auch nicht mutig mit der Züchterei-)

04.11.2003, 16:00
@hike
also ich finde, man kann nicht allgemein sagen, daß ein Leistungspferd immer auch "schwierig" ist. Es gibt allerdings Fälle,wo es so ist.
Man muß sich halt fragen, was man will. Für die meisten Freizeitreiter ist tatsächlich ein Haflinger oder Isländer besser geeignet. Es wird nicht machbar sein, auf allen Hochzeiten zu tanzen.

@basti: Mon Cheri und andere Vetrreter der Matcho x-Linie sind als Rittigkeitsvererber bekannt... oder als "Mädchenpferde" verrissen, wie mans nimmt. Es kommt eben immer auf die Sichtweise an. Einen Mon Cheri kann man bestimmt als Reitpferd gut verkaufen, aber nicht als Fohlen und deswegen deckt der nichts. Schade.
Hier eine kleine Anekdote: Bei der Vorstellung eines Matcho Enkels auf einer Körung tönte mein Nachbar: Boah die taugen nichts, die können NUR bis M. Daraufhin fragte ich ihn, was er denn reite. Das Gesicht werde ich mein Lebtag nicht vergessen... http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/biggrin.gif http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/biggrin.gif http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/biggrin.gif

04.11.2003, 22:02
Hi!

Ich kann vor allen Dingen nicht verstehen, warum der Galopp einer Stute nicht bei der Stutbuchaufnahme berücksichtigt wird.

Kann mir irgendjemand eine Erklärung dafür geben? Eine Halle für das Laufenlassen dürfte wohl nicht das Problem sein.

Maren
05.11.2003, 09:09
Das ist wohl nicht für alle Stutbuchaufnahmen gleich.
Bei den Trakehnern findet Freilaufen statt und der Galopp schlägt sich mit einer eigenen Note bei den GGAs durch.

duntroon
05.11.2003, 10:11
Zitat[/b] (Kareen @ Nov. 04 2003,13:32)]@viele Pferde: Ölliken sägget wi bi us tau'n peerd, watt gaut utsüht un sick ok ünnern Sattel seine lot'n kann. Ähm's nich so'ne Rup'nstäkers de glieks ümmefahlt oder 'n Scheusahl antekiek'n is.
was will sie damit nur sagen http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/tounge.gif

ich versteh kein wort http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/rock.gif

hike
05.11.2003, 12:35
@abigail: Wollte ich auch nicht! Ich kenne einige S-Springen erfolgreiche Pferde mit genügend Pfeffer im Hintern, die im Umgang Lämmer sind und auch beim Reiten total anständig.

Was ich sagen wollte ist, dass die Selektion doch im Allgemeinen auf Leistungsvermögen läuft. Sicher ist es angenehmer ein Pferd mit super Vermögen UND gutem Charakter zu haben. Aber falls man nur eines haben kann wird der Charakter meistens an zweiter Stelle stehen.

Zum Anderen haben Hafis, Isis & Co. mit Sicherheit ihre Berechtigung. Aber es gibt auch Warmblüter die verlässliche Partner sind und nicht wegen jeder Fliege in die Luft gehen.

Die Freizeitreiter sind eine große Zielgruppe. Sie werden auch den überwiegenden Teil der Zuchtprodukte reiten und da finde ich es nicht richtig, wenn man hört:" Die Guten verkauf ich in den Sport, für den Rest werd ich schon einen doofen Freizeitreiter finden!" Klar sollten sich die Käufer im klaren sein, was sie brauchen und was sie können, aber auch der Züchter sollte mit der Wahrheit rausrücken. Und solange sie ihre "Abfallprodukte" unterbringen müssen, ist das fraglich....

@llewella: Wenn eine Stute nachweislich einen Unfall hatte und dadurch bedingt aus dem Sport ausscheidet UND nicht unter dem zunehmenden Gewicht zusammenbricht, ist es für mich i.O..

Wenn allerdings ein Pferd auf A-L-Niveau läuft, 6jährig ist und davon ständig dicke Beine hat und lahmt und man einfach nicht weiß, was man mit dem Tier machen soll, finde ich es schon fraglich.

Auch wenn eine 3jährige, mag die SLP noch so gut sein, diverse Chips hat, man die Mutter und Schwester untersucht und gleiches feststellt, fragt man schon nach der Vererbung.

Wie du sagst: Nicht alle über einen Kamm, aber gucken sollte man schon!

LG Hike

monti
05.11.2003, 12:43
Hallo hike,
was nützt das ganze Leistungsvermögen, wenn sie nicht wollen. Die Leistungsbereitschaft ist ganz wichtig und die ist meist in dem guten Charakter mit enthalten.

hike
05.11.2003, 12:53
@monti2: Ganz meine Meinung! Aber guck dir mal die Profis in den Springpferde/Dressurpferde an. Motto: Wenn ich genung Kraft und Druck mache, geht das schon!


LG HIke

05.11.2003, 14:16
also ich würd zum Thema Interieur noch ergänzen wollen, daß häufig Pferde, die in jungen Jahren nicht so einfach waren, später gerade die verläßlichsten Partner wurden und die besten Lehrpferde. Habe selbst als kind auf so einer gelernt. wenn ich allerdings die Storys höre wie die am Anfang war, das würd sich heute keiner mehr antun.

Außerdem ist mir aufgefallen, daß die schlimmsten Unfälle mit den bravsten PFerden passieren, wohl weil der Reiter da schon mal leichtsinnig wird.

Man muß denke ich auch unterscheiden, ob ein Pferd mangels Veranlagung oder mangels Leistungsbereitschaft nicht für den Sport geeignet ist. Im ersteren Fall wird es als Freizeitpferd zu gebrauchen sein im letzteren auch dafür nicht, solche wirds auch immer wieder einmal geben. Wenn ich als Züchter aber aus Angst einen von dieser Sorte zu bekommen Abstriche bei der Veranlagung zugunsten der Rittigkeit mache, kriege ich mit Sicherheit nur ein Durchschnittspferd. Und das wäre jetzt mein Zuchtziel nicht.

Kareen
05.11.2003, 20:07
@abigail: Das mit den schweren Unfällen bei den 'sichersten' Pferden finde ich sehr wichtig. Überhaupt finde ich, verlangen wir von den Viechern eine ganze Menge. Immerhin SIND es ja nun mal Fluchttiere und werden immer solche bleiben, daher sollte man sich als Reiter schon abverlangen, die Reaktionen des jeweiligen 'Untersatzes' vorauszuahnen und sich das einfach zur Gewohnheit machen. Klar, wenn man beruflich stark eingespannt ist, und nicht die Zeit hat, quasi auf dem Pferderücken zu leben, ist das schwierig.
Was ich auch wichtig finde ist, dass gerade Isi's, Cobs und die sonstigen einschlägigen 'Freizeitrassen' gar nicht mal SO geeignet für Anfänger bzw. den Freizeitbedarf sind. Als TÄ hab' ich ständig mit ziemlich störrischen Biestern zu tun (u.a. auch Quarters, die doch eigentlich auf Umgänglichkeit selektiert werden) und muß sagen, dass ich die im Schnitt nicht viel 'einfacher' finde als WB.
Rup'nstäker bezeichnet 'nen Mickerwuchs, heißt übersetzt soviel wie Raufenstecker und bezieht sich wohl auf das Temp mit der die so gebauten Pferde mit der Nase in die Heuraufe stechen... Können auch Rinder sein, dann gern auch als 'Spissörse' (Spitzhintern) bezeichnet. Soviel zum Platt aus dem mittleren Norden ;) Wer's nicht versteht, denkt Euch nichts dabei, ein paar Dörfer weiter versteh' ich auch vieles nicht http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/smile.gif

Die Sache mit den lahmenden Zuchtstuten tja, ich denke wirklich da muß jeder für sich entscheiden, ob er seine Stute trotzdem für hart hält. Wenn's wirklich eine saublöde Verletzung aus dem Sport war, kann sie wohl wirklich nichts dafür. Ich hatte aber auch mal eine Stute (SPS und beste der SLP, 9er Trab, gutes Springen etc.), die war so dämlich, dass sie sich am Ende quasi selbst den Huf abgetreten hat und eingeschläfert werden mußte. Sie wollte wohl nach einem anderen Pferd auskeilen und hat beim rückwärtsgehen nicht einbezogen, dass da dann eine massive Mauer stand, wo sich vorher das Zielpferd aufgehalten hatte.
War ein tolles Weihnachtsgeschenk als wir sie im 5.Monat tragend einschläfern lassen mußten http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/sad.gif Schon als Zweijährige mußten wir sie aus so einem Betonklärgrubenring befreien, der als Futterraufe für die Rinder auf der Weide stand. Da lag sie drin fest und zappelte. Mit viel Hilfe und Traktor hatten wir sie nach 20 Minuten wieder auf den Füßen. Eine halbe Stunde später war sie wieder reingeklettert, stand aber immerhin und kam selbst wieder raus, ein Wahnsinns-Lernerfolg...
Ich hab' dann keins von ihren Fohlen behalten, obwohl die Nachkommen im nachhinein alle 3 sehr gut eingeschlagen sind und alle Besitzer überaus happy aber das weiß ich ja vorher nicht.

Re. Hufrollenpferde: Ich denke zum einen hat sich das Bewußtsein dafür verändert, wie ein Huf stehen bzw. beschlagen werden sollte und zum anderen denke ich werden diese Pferde heute einfach früher 'aussortiert'. Bei größeren Zuchtbetrieben die ich kenne läuft das so, dass ein Pferd, was bei der AKU (früher...) böse auffällt - sei es klinisch oder beim Röntgen - meist für günstig an irgendwelche Händler geht, die es entweder südwärts 'verklappen' oder sie kommen gleich zum Schlachter. Dadurch erreichen sicher weit weniger der betroffenen Pferde als früher das klinisch manifeste Stadium. Das ist die Kehrseite der Medaille moderner Unersuchungstechniken.

Keiner hat ja gesagt, dass Röntgenuntersuchungen völlig sinnlos sind. Sie können nur einfach nicht das liefern, was sich die Mehrzahl der Käufer davon zu versprechen scheint, nämlich eine Vorausschau in die Zukunft nach Art der Glaskugel.
Sinn und Zweck einer Verkaufsuntersuchung ist die Feststellung Gesundheitszustands zum Zeitpunkt des Verkaufs. Punkt http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/smile.gif
Unabhängig davon, was die Wunschvorstellung des Käufers ist, sagt ein 'guter TÜV' nicht mehr und nicht weniger aus, als dass das Pferd momentan in einem guten gesundheitlichen Zustand ist.

In vielen Fällen erbringt die klinische Untersuchung, wenn man ihr die nötige Aufmerksamkeit widmet weit zuverlässigere Ergebnisse. Natürlich gibt es Fälle, wo ein Pferd klinisch ohne Befund ist, und dann bei der Rö-US Befunde auftauchen, die eine baldige Erkrankung wahrscheinlich erscheinen lassen. Das ist natürlich 'very bad luck' für alle Beteiligten. Am meisten wohl für das Pferd...
Wenn man viel auf Auktionen guckt, sieht man natürlich immer mal wieder Pferde die wärend der - das muß wohl jeder zugeben belastenden - Trainingszeit 'unpäßlich' sind, kurzzeitig aus dem Training genommen werden müssen, oder dann tatsächlich ausfallen. Das sind meist nicht die Pferde mit den 'erschreckenden' Röntgenbefunden wie man eigentlich erwarten sollte.

Für mich selbst würde ich unter 10T € Kaufpreis gar nicht röntgen lassen, sondern einen guten Kliniker eine gründliche VKU machen lassen und dann entscheiden.
Wenn es dann einer jener seltenen Fälle ist, wo nach klinisch unauffälligen Befunden die Rö-US eliminierende Aufschlüsse gibt, na dann hab' ich halt Pech gehabt. Immerhin gibt's die Röntgerei ja auch nicht umsonst http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/smile.gif Das sollte ich als TÄ nicht sagen, schließlich wollen wir ja auch leben ;)

Re. Durchschnittspferde: Für mich gibt's ganz klare Interieur-Ausschluß-Kriterien. Dazu gehören Aggressivität gegenüber dem Menschen (gibt's noch erstaunlich häufig), Unberechenbarkeit und schwere Probleme beim Reiten (z.B. unüberwindliche Faulheit oder 'Hitze').
Alles andere halte ich für relativ und es gibt kaum eine negative Eigenschaft, die nicht auch was Gutes hätte. Deckel - Topf - Prinzip ;) Ich z.B. fühle mich geehrt, wenn ich besser mit meinem Pferd klarkomme als jeder andere, die Mehrheit wird sicher ein einfaches Pferd bevorzugen, das nicht zu sensibel ist und im Zweifelsfalle eher stehenbleibt als zu flott zu werden.
Gesundheit ist eigentlich der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich alle potentiellen Käufer bringen lassen, deshalb erscheint es mir nur logisch, da auch am strengsten zu selektieren.
Vor ein paar Jahren hab' ich z.B. in Panik meine Hohenstein 'durchröntgen' lassen, weil mir ein paar Hohensteins mit Chips untergekommen waren. z.G. war sie Klasse I (mit 5) Wer will schon ein OCD Problem in seiner Zucht etablieren?
Andererseits hatte ich vor 2 Jahren auch einen Jährlingshengst mit 36 ('glow in the dark...') 'tüven' lassen müssen der ohne den geringsten Befund war, und vergangenes Jahr wird der Vollbruder mit je einem Chip im Sprunggelenk diagnostiziert, alle anderen Gelenke (inkl. Knie) o.b.B.... Was soll man dazu dann sagen. Der Gipfel ist, dass ich dann einem potentiellen Käufer beim Besichtigungstermin erzählt habe, dass er schon geröngt wurde und die Chips entfernt wurden und alles gut abgeheilt ist, und dieser dann wutschnaubend den Hof verließ, weil er meinte, dann hätte ich ihm ja ein krankes Pferd gezeigt. So kann's gehen wenn man sich um die Gesundheit seiner 'Produkte' zu viel Sorgen macht. Statt sich zu freuen, dass die Gelenke fachgerecht 'aufgeräumt' wurden, und er schon mal einen (für ihn kostenlosen) Status hat, tat er so als wäre ein chipoperiertes Pferd quasi schon tot. Ich war so perplex, dass ich vergessen habe, ihm die einschlägigen Literaturstellen um die Ohren zu hauen... Überflüssig zu erwähnen, dass der Gute noch keinen einzigen lahmen Schritt in seinem Leben gemacht hat und sein anderer Vollbruder dies Jahr in Warendorf beim Geländefinale dabeiwar. Muttern ist mit ihren 19 auch noch ganz gut zu Fuß, so furchtbar kränklich kann die Familie also nicht sein ;)

Gute Diskussion das. Sieht aus, als käme das Forum wieder auf die Füße http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/smile.gif http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/smile.gif

05.11.2003, 21:07
Es gibt in dieser Diskussion so viele interessante Sichtweisen und Meinungen, das ist wirklich sehr angenehm, in dieser Art undWeise Erfahrungen auszutauschen.

Am Ende kann man doch nur feststellen, das die ganze Sachetatsächlich in den Händen eines verantwortungsvollen Züchters liegt.
Man über bestimmte Dinge aus der Ferne nicht urteilen kann, und jeder gut anders definiert.

Eine meiner Stuten ist dem Teufel schon mehrfach von der Schippe gesprungen(hatte einfach Pech-Verletzung, durch Dummheit anderer Stallkollegen).Dreimal hat der TA eigentlich schon aufgegeben-und sie zappelt immernoch.Geht jetzt zwar nicht mehr im Sport, aber solange sie aktiv war, hatte sie ein Herz wie ein Löwe.Kampfgeist, Mut, Zuverlässigkeit-und dazu ein Vermögen! Leider vom Exterieur, eigentlich so gar keine Zuchtstute.Tja, das hab ich mir lange überlegt.Jetzt ist der erste Nachwuchs erfolgreich in Aufbauprüfungen-Mut, Vemögen, Bereitscaft, alles von der Mama geerbt.
Hätte ich nur auf ihr Exterieur geachtet, hätte ich einen groben Fehler gemacht! Ihre Kinder sind ideale Allrounder(egal welcher Hengst!)-

Llewella
06.11.2003, 09:00
Wie steht ihr eigentlich zu Verstellungen der Vorderbeine (zehenweit, zeheneng)? Würdet ihr ein verstelltes Pferd haben wollen, wenn es super Röntgenbilder hat und aus einer harten Familie stammt, die viele Leistungsträger hervorgebracht hat? (Immer vorausgesetzt natürlich, das Pferd entspricht ansonsten _allen_ Euren Vorstellungen aufs Genaueste)?

monti
06.11.2003, 09:05
Klasse Diskussion, kann mich nur den letzten beide Beiträgen anschließen.

Schmunzel über Kareens Dummerchen. Ich hatte 2 Vollschwestern, von denen auch eine trotz gutem Körperbau und guten GGA einfach zu dumm war und sowas kommt ja nicht nur bei Pferden vor.

angel36
06.11.2003, 09:58
Wahnsinnig interessante Diskussion!

Ich finde selbst ebenfalls, daß dem Interieur eine große Bedeutung zukommt. Wenns mit der Veranlagung doch nicht so geklappt hat, dann ist es wenigstens noch ein umgängliches Freizeitpferd. Allerdings haben die veranlagtesten Pferde bei uns im Stall irgendwie fast alle einen leichten "Spaken"- Zufall?? Möchte davon keins geschenkt haben, meine Vollblutstute ist wesentlich umgänglicher, kooperativer und hat keine Unarten (wie z.B. steigen). Haben auch eine Stute im Stall, die sowas von nicht-leistungsbereit ist... die wird einem nie geben, was sie könnte und tritt sogar mit Absicht die Stangen runter schon im E-Springen. Total nutzlos aus sportlicher Sicht, ist jetzt reines Schulpferd.

Fernerhin finde ich es auch nicht gut, platte Stuten in die Zucht zu stecken- Ausnahme dumme Verletzung, für die keiner was kann.

Und schlußendlich scheint sich ja doch abzuzeichnen: es gibt erstmal keine Knockout-Kriterien. Erinnere mich noch an Topics, wo geschrieben wurde, viele berühmte Stammstuten hätten solche Mängel gehabt, daß man sie bald nicht hätte nehmen sollen zur Zucht. Sportpferde bringen nicht notwendigerweise wieder Sportpferde... Anscheinend hat doch fast jede Stute eine Chance verdient (außer denen, wo man nun gar nichts positives findet, weder Interieur noch Exterieur, Sporterfolge...)- somit gibt es nur die Probe mit der Nachzucht, d.h. wenn auch das dritte Fohlen dann nix ist, sollte man die Stute wohl aus der Zucht nehmen (vorausgesetzt, es wurde ein sinnvoll passender Hengst eingesetzt- wenn der "Züchter" zu irgendeinem nicht passenden Modehengst gerannt ist, kann ja die Stute nix dafür).

Ich selbst wünsche mir auf jeden Fall, daß meine Stute an ihr Fohlen ihr Interieur mitgibt. Ich will ja keinen Olympiakracher, sondern ein Pferd für mich. Und verschlechtern wird der Hengst wohl nichts- und wenn er, wie sonst auch, seine super HH mitgibt, dann werde ich rundum glücklich sein mit meinem Pferd (solange es kein Fuchs wird http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/wink.gif ).

Katja

duntroon
06.11.2003, 10:03
sicher trägt der züchter einen grossteil der verantwortung welche stuten ir in der zucht hält nur leider gibt es solche und solche züchter - hier nur ein beispiel von einem "alt"-züchter, der nicht nur wenig wert darauf lebt wie es seinen stuten geht - hauptsache sie fohlen pünktlich. da ist vom senkrücken über rehe bis hin zu hufrolle alles dabei. dann wenn man fragt von welchem hengst die stute denn tragend ist oder werd der vater des fohlens ist bekommt man zu hören: der hengst ist von "xxx" (will jetzt mal keinen namen nennen) - was dann soviel bedeutet, dass der hengst "keinen" namen hat. hauptsache es war ein hengst ob der zugelassen ist spielt keine rolle. über die preise muss man dann erst gar nichts sagen - so billig wie diese pferde sind können die nicht auf normalem weg gezüchtet worden sein.

06.11.2003, 11:23
@Duntroon: das würde ich jetzt nicht unbedingt als Züchter bezeichnen.....

Um die Ecke züchtet ein Herr, der schon mehrfach Pferde in den großen Sport verkauft hat. So ein Typ, Mädel, ich weiss alles, von mir kannst nur lernen, und soweit wie ich, kommst Du nie.......

Will ich auch nicht, denn wie die Jungs und Mädels dort aufwachsen....HORROR!!!!!Aus dieser Art Aufzucht, kannst Du kein Pferd kaufen(Thema Aufzucht-auch so ein Faktor, der eine werdende Zuchtstute schon im Fohlenalter zurtickenden Zeitbombe werden lässt-aber das hat dann sicher nichts unbedingt was mit Vererbung zu tun.)
Diese Züchter sollten ihre Philosophie ebenso überdenken.
@llewella: Kommt drauf an, wie stark verstellt. Ein Fragezeichen, siche nicht! Eng oder weit-hmmm, ja, vielleicht.Wobei ich eine Stute hatte, die das bisher auch mitgegeben hat-ob da dann stört? Die Nachkommen sind noch nicht im "Sattelalter".Aber das würde ich immer etwas vorsichtig betrachten.Wobei man mit einem guten Schmied schon sehr viel korrigieren kann.

duntroon
06.11.2003, 11:48
Zitat[/b] (Guest @ Nov. 06 2003,10:23)]@Duntroon: das würde ich jetzt nicht unbedingt als Züchter bezeichnen.....
so in der art habe ich ihm das auch deutlich gesagt.

06.11.2003, 11:49
Und, hat er jetzt das züchten eingestellt? http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/biggrin.gif

06.11.2003, 11:52
Eure Beiträge sind echt gut.
Und da alle alle Zuchtexperten hier versammelt sind und ich keine neuen Topics eröffnen kann, mal meine Frage: Kann ich eine Stute mit Chip in die Zucht nehmen??

Entschuldigt wenn es unqualifiziert ist und nicht wirklich zum Thema passt, aber ich habe wirklich keine Ahnung??

06.11.2003, 11:58
Passt doch-auch ein Mangel.

Puh, ich denke da kann Dir nur Kareen ausreichend Auskunft geben.
Wobie ich diese Chip Geschichte für häßlich überbewertet halte.Hatte bisher allerdings persönlich noch keine Probleme damit.
Gibt ja ein paar Hengste die das vererben sollen, würde mich nicht unbedingt davon abhalten sie zu verwenden.
Inwieweit ein Chip lebenslang hinderlich ist? Ich denke alles reparabel.

hannoveraner
06.11.2003, 12:07
Stute mit Chip in die Zucht?

Entstehung von Chips sind wohl multifaktoriell. Entstehen wohl gerne durch Umwelt aber eine genetische Veranlagung zu den Chips ist nicht zu leugnen. Wenn sie selbst von bester Qualität ist und hat lediglich einen kleinen Chip ist das sicherlich okay in meinen Augen. Hat sie aber sehr viele Chips in verschiedenen Gelenken (Fessel-, Sprunggelenk usw.). Wäre mir nicht sehr wohl dabei. Die Gefahr ist groß, daß die Nachkommen auch bei bester Aufzucht durch irgendeinen dummen Zufall auch an diese kleinen Teufel rankommt. Kann aber sein, daß in zehn Jahren die Chiphysterie abgeflaut ist.

06.11.2003, 12:15
Es ist wirklich eine super interessante Diskussion.

Allerdings kommt m.E. ein Punkt viel zu kurz: Das Reiten!

Erstens denke ich, dass der Reiter in der Grundausbildung ganz viel Einfluss auf Interieur und Leistungsbereitschaft hat und zweitens bin ich überzeugt davon, dass unendliche viele Pferde platt geritten werden.

Zum Thema "Ankaufsuntersuchung": Ich habe eine mittlerweile 13 jährige Stute, die 4jährig einen echt schlechten TÜV hatte, aber ich war in die Stute verliebt und ausserdem ahnungslos, also habe ich sie gekauft. Sie ging in mehr als 9 Jahren nicht einen Tag lahm. Ist sie jetzt als Zuchtstute besonders geeignet, weil sie bewiesenermassen hart ist (ging M-Springen und L-Vielseitigkeit - wurde also belastet) oder ist sie als Zuchtstute ungeeignet, da sie schon vierjährig 2 Chips, Ansatz zu Hufrollenentzündung und Spat hatte?

06.11.2003, 12:45
@rahbea:Reiten,Reiter,Trainer, ein ganz wichtiger Faktor(hatte ich bereits schon angesprochen).
Und dann kommen wir doch letztendlich immer zu dem Punkt, dass jeder verantwortungsvolle Züchter die Nutzung seiner Zuchtstuten im Sinne von Zuchtfortschritt kritisch beäugt und gegebenenfalls aus der Zucht "eleminiert".

Wenn ich meine Stute genau Tüven lassen würde, wäre der TA möglicherweise Wochen beschäftigt- http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/biggrin.gif .
Hatte sie kurzfristig auch schon aus der Zucht genommen, um sie nochmals im Sport zutesten.In diesem Jahr lief sie von A-Sieg zu M-Sieg und bescherte mir einen Siegerhengst.
Also, für 2004 soll sie wieder in die Zucht-und das, obwohl sie nicht gerade optisch ein Vorzeigemodell ist.
Dennoch kritisch beobachten die ganze Sache!

06.11.2003, 12:48
@rahbea. Das ist ja wieder ein gutes Beispiel für die Aussagekraft von Röntgenbildern. Härte bezieht sich tatsächlich mehr auf Weichteilproblematiken. Da siehts bei deiner Stute ja bestens aus.
Die röntgenologischen veränderungen können auch aus Aufzucht- und Fütterungsdefiziten entstanden sein. Da wäre es interessant zu wissen, wie es in dem Stutenstamm sonst ausieht, um die Erblichkeit herauszufinden.
Denn selbst wenn die Nachkommen deiner Stute genauso hart sind wie sie selber, wird es heutzutage Probleme beim Verkauf geben mit schlechten Bildern (siehe Kareen).
Ich würde mit so einer Stute aber wohl einen Zuchtversuch starten, das Positive überwiegt ja deutlich.

monti
06.11.2003, 13:32
@Rahbea
Zu 1.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man Charakter und Leistungsbereitschaft durch Reiten relativ wenig beeinflussen kann. Die Hilfen kommen z.B. beim Buckler, Steiger oder Durchgänger oft zu spät.
Der Grundcharakter ist beim Fohlen schon sehr früh festgelegt - und auch bei Vollgeschwistern oft völlig verschieden. Zum Beispiel kommen meine Fohlen meist am 3. Tag mit der Alten an der Hand raus. In dem einen Jahr geht z.B. das Fohlen neben der Mutterstute ganz vorsichtig mit und schnuppert alles ab. Im nächsten Jahr (Vollschwester) sieht das Fohlen die freie Fläche und startet durch - ich musste die Mutter loslassen, dass sie sich vor dem Zaun querstellen konnte um ihr Fohlen abzufangen. Beide sind später so geblieben: z.B. beim Einfahren haben wir bei der 1. Stute für die ersten 100 m 10 Min gebraucht - dann war alles abgecheckt und o.k. Die 2. Stute ist mir immer wieder aus dem Schritt durchgestartet (natürlich längerer Zügel im Gelände) und ich habe das Pferd unter mir verloren (2 böse Stürze).
Man sieht es auch auf der Koppel: Fasan fliegt auf - meine Halbblutstute reagiert am schnellsten: startet - aber nur sehr kurz und geradeaus. Die eine Warmblutstute springt seitwärts weg, die andere hebt den Kopf - guckt - und frißt weiter (mein Liebling ha ha ha).

Zu 2. kann ich nur bestätigen.
Ich hatte einen sehr hengstigen (zu spät gelegten) Wallach 4 oder 5 jährig einer Vielseitigkeitsreiterin angeboten. Er hat - weil er zu den Stuten wollte - mit den Vorderbeinen gegen die Wand gedroschen. Sonst ein sehr hartes Pferd mit sehr guten Hufen, der auch Vielseitigkeit gehen wollte. Röntgen lassen - Hufrolle. Ich sage - das gibt es nicht - Blutergüsse ? Nein Hufrolle - das Mädchen hat geheult.
Ich habe das Pferd seitdem jedes Jahr auf Turnier laufen sehen (bei einer Dressurreiterin - der Arme). Er ist weit über 20 Jahre alt geworden und wegen einer schweren Kolik eingeschläfert worden. Musste ihn damals natürlich billig weggeben. Seitdem röntge ich - wenn ich überhaupt noch etwas dazukaufe - auch nicht mehr (über 10.000 € sieht es natürlich anders aus).

06.11.2003, 13:59
@ Monti2

Beim Charakter gebe ich Dir recht, der ist festgelegt, aber daraus würde ich nicht direkt auf die Leistungsbereitschaft schliessen.
Ein nervöseres Pferd braucht vielleicht länger bis es Vertrauen fasst, aber dann kann es mit dem richtigen Reiter vielleicht leistungsbereiter als ein Pferd mit einem zu gesunden Phlegma. Und ich bin absolut der Überzeugung, dass es ganz schnell möglich ist jedem Pferd seine Leistungsbereitschaft zu nehmen.

Ausserdem bezweifle ich ganz stark, dass tatsächlich die allermeisten auf der Suche nach einem braven, leichtrittigen Pferd sind. Die meisten wollen doch gerne das Gefühl, ein schwieriges Pferd zu haben.

Noch etwas anderes:
Ist Euch auch schon aufgefallen, dass es heute viel weniger bösartige Pferde gibt? Beisser und Schläger sieht man doch heute kaum noch. Liegt das an der Zucht oder daran, dass heute besser mit den Tieren umgegangen wird?

Viele Grüße
Rahbea

Lajana
06.11.2003, 14:56
Ich glaube, dass heute sehr viel vernünftiger mit den ganz jungen !!! Warmblütern umgegangen wird und diese daher sich eigentlich leistungsbereit und lerneifrig gegenüber dem Menschen verhalten.

Aber ich finde nicht, das von vorneherein der charakter eines Warmblüters genetisch festgelegt ist. Hier kann man sehr viel Einfluss nehmen. Ich habe meine 2 Stuten, die heute meine Zucht begründen, aus sehr schlechter Haltung befreit, und bei haben daraus einen etwas hektischen, zikischen und aber auch bestimmenden Charakter gewonnen.

Aber bei den Fohlen ist alles anders, die werden in Harmonie grossgezogen, sind temperamentvoll aber nicht hektisch und schrecken sich vor nichts.
Haben riesige Weiden und grosse Herde, niemals Bewegungsstau und alle sind leicht händelbar und nun auch die ältesten schon erfolgreich im Sport unterwegs.

Ich finde Aufzucht und Ausbildung sind entscheidend, wie auch die Leistungsbereitschaft und korrektes Exterieur um standhaft im Sport "hart" und erfolgreich zu sein !!

alicia

monti
06.11.2003, 15:27
Das sehe ich nicht so - meine Fohlen behandele ich immer gleich und beide Familien sind total verschieden - seit 3 - 4 Generationen.
Früher wurden die Pferde teilweise auf Aggressivtät gezüchtet - z.B. für den Nahkampf - bestimmte Hengst- und Stutenlinien haben sie noch etwas drin.

Die Urgroßmutter von meiner einen Famile hat noch angegriffen wenn man sie gereizt hat - dafür aber auch die Herde verteidigt. Ab der 3. Generation wurde es etwas weniger.

06.11.2003, 15:41
@monti: sicher auch richtig, sofern man die Tiere ein Leben lang beurteilen kann.Wobei ich schon oft erlebt habe, dass spezielle Pferde ein spezielles Händchen brauchen um überhaupt Leistung zu bringen.Damit verändert sich erstaunlicerweise auch das Charakterbild des Tieres.So ein mürrisches Biest, kann plötzlich ganz nett und ausgeglichen sein.
Auch bei Stuten die man zukauft halte ich die Haltungs- und Reitweise bei diversen Vorbesitzern für charakter-und leistungsprägend.
Diveres Charakterschwächen können durchaus im laufe der Jahre antrainiert worden sein, das hat dann gar nichts mit Vererbung zu tun.


Halte es übrigens mit dem Röntgen ebenfalls so: unnötig, denn in meinen Augen nicht wirklich aussagefähig genug.

Funky
06.11.2003, 17:20
Eine wirklich interessante Diskussion...

Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschliessen, was das röntgen angeht.
Für mich stellt sich die Sache so dar:

Unsere jetzige Zuchtstute haben wir als Fohlen gekauft.
Ich habe sie selbst angeritten und bis 6-jährig sehr erfolgreich im Dressursport vorgestellt. Sie war im Umgeng nicht immer ganz einfach, aber ihre Rittigkeit und Leistungsbereitschaft waren immer hervorragend.
7-jährig haben wir sie zum ersten Mal decken lassen und ich habe immer gesagt, wenn ihr Nachkomme genauso rittig wird, wie sie es war, dann habe ich schon das Zuchtprodukt erreicht, was ich wollte.
Ihr "erster Sohn" ist jetzt dreijährig und ist genauso toll zu reiten, wie seine Mama es war. Er hat charakterlich und auch beim Reiten eine sehr große Ähnlichkeit. Damit hat sich für mich bestätigt, dass man schon einen sehr großen Vorteil beim Züchten hat, wenn man die Stute genau kennt.
Es macht die Auswahl einens geeigneten Hengstes doch sehr viel leichter.
Gar keine Frage ist natürlich, dass die Stute keine indiskutabelen Exerieurmängel haben sollte und auch abstammungsmäßig "brauchbar" sein sollte.

Bei fast allen Züchtern ist es doch so, dass man ein brauchbares Reitpferd züchten möchte, das leichtrittig ist und ein ansprechendes Exterieur hat.
Der Versuch, nur Pferde für den Spitzensport zu züchten, ist zum Scheitern verurteilt, da diese Pferde meistens reine Zufallsprodukte sind.

Wenn einige "Züchter" meinen, mit einem platten Pferd, das dann, oh´welch ein Glück, auch noch einen Schlitz zwischen den Beinen hat, unbedingt züchten zu wollen, bestrafen sie sich doch nur selbst.
Diese Art und Weise ist reines Vermehren und keine Zucht.
Das sicherste ist auf jeden Fall, kritisch mit seiner Stute zu sein und sich nicht irgendetwas vorzumachen.
Ist man von seiner Stute überzeugt, dann ist es doch eigentlich nicht so schlimm, ob sie einen kleinen Chip hat oder nicht. Viel wichtiger ist eben die Brauchbarkeit als Reitpferd.
Wenn diese schon bei der Stute vorhanden ist, kann eigentlich nicht so viel schief gehen. http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/wink.gif

lovelight
14.08.2004, 00:16
Hallo Basti,
wann wird das denn bei Hengsten praktiziert. Ich bin kein Hengsthalter und weiß nichts davon. Könnte mir das mal jemand erklären? http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/rock.gif
LG lovelight

lacridevelvet
14.08.2004, 19:32
Zitat[/b] (Rahbea @ Nov. 06 2003,12:59)]Ausserdem bezweifle ich ganz stark, dass tatsächlich die allermeisten auf der Suche nach einem braven, leichtrittigen Pferd sind. Die meisten wollen doch gerne das Gefühl, ein schwieriges Pferd zu haben.
vielleicht bin ich ja dann die ausnahme hier aber mir is n braves leichtrittiges Pferd am liebsten !! http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/rock.gif

monti
16.08.2004, 10:00
@Rahbea
.....das selbe ist mir in den Beiträgen auch schon aufgefallen:
viele Reiter wollen ein schwieriges Pferd und sind stolz darauf - dürfen aber dann auch nicht jammern, wenn sie Abstriche machen müssen und nicht weiterkommen. Ich war wahrscheinlich auch mal so - inzwischen weiß ich den guten Charakter zu schätzen und habe gelernt, dass man reiterlich ein Pferd nicht unbegrenzt positiv verändern kann.

Vor einigen Wochen - das Thema war: wo inserieren bei Pferdeverkauf o.ä. -
hat jemand ein schwieriges Pferd im Internet inseriert und jede Menge Zuschriften bekommen.......ist dann ja auch günstiger http://forum.springwelten.de/iB_html/non-cgi/emoticons/biggrin.gif